Oldenburg - Der Streit zwischen der EWE und ihrem Ex-Chef Matthias Brückmann muss vor Gericht fortgesetzt werden: Der Energieversorger konnte sich mit dem fristlos entlassenen Vorstandschef nicht auf eine gütliche Einigung verständigen. „Die Vorstellungen der Gegenseite sind für EWE nicht akzeptabel“, sagte Unternehmenssprecher Christian Blömer am Sonntag auf Nachfrage der NWZ. „Auch ein Kompromiss ist derzeit nicht erreichbar.“
Brückmanns Anwalt Bernd-Wilhelm Schmitz hatte den EWE-Anwälten nach eigenen Angaben einen Vorschlag unterbreitet, nach dem EWE eine siebenstellige Summe zahlen sollte. Als Grund für die Höhe nannte er Brückmanns Vertrag, der eigentlich bis Mitte 2021 laufen sollte. „Ich war überrascht, dass jegliche Zahlung abgelehnt worden ist“, sagte Schmitz der Deutschen Presse-Agentur. „Eine außergerichtliche Einigung hätte viele Kosten und Zeit gespart.“ Für die EWE erklärte Sprecher Blömer nur: „Beide Seiten haben in den Verhandlungen ihre Positionen noch einmal deutlich gemacht.“
Der Zivilprozess vor dem Landgericht Oldenburg geht am 15. März weiter. Möglicherweise verkündet der Richter dann auch ein Urteil.
Der Aufsichtsrat des Oldenburger Unternehmens hatte Brückmann im Februar 2017 wegen „einer Vielzahl diverser grober Verfehlungen“ mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt und dem Unternehmen entlassen. Im Mittelpunkt der Vorwürfe stand eine Spende von 253 000 Euro an die Stiftung der Box-Brüder Klitschko, mit der Brückmann aus Sicht der EWE gegen Unternehmensregeln verstoßen hatte. Auch das Landgericht hatte vor Prozessbeginn erklärt, sich hauptsächlich mit der Spende auseinandersetzen zu wollen.
Brückmann will mit dem Prozess erreichen, dass seine Kündigung für unwirksam erklärt wird und EWE ihm die ausstehenden Gehälter zahlt. „Wenn er gewinnt, ist Brückmann wieder eingestellt und bekommt etwa eine halbe Million nachträgliche Lohnzahlungen“, hatte der damalige Gerichtssprecher Michael Herrmann vor Beginn des Prozesses gesagt.
Ein nahes Ende der Streits ist nicht in Sicht, selbst wenn es bereits Mitte März zu einem Urteil kommt. Bereits im Vorfeld war zu hören, dass beide Seiten mit einem Gang in die nächsten Instanzen rechnen.
