Oldenburg - Der Unfall am Mittwochabend auf der Autobahn 29 zwischen dem Kreuz Oldenburg-Ost und Sandkrug mit sieben beteiligten Fahrzeugen und mehreren zum Teil schwer verletzten Personen sorgte vor allem im Oldenburger Stadtgebiet für kilometerlange Verkehrsbehinderungen. Einige Autofahrer wollten dies allerdings nicht so einfach hinnehmen: Wie ein von der Nachrichtenagentur Nonstop News bei Facebook veröffentlichtes Video belegt, wendeten einige im Stau stehende Fahrer ihre Pkws in unmittelbarer Nähe zur Unfallstelle – und passierten die Rettungsgasse anschließend in umgekehrter Fahrtrichtung gen Autobahnausfahrt.
„Um die Situation zu entzerren, haben Polizisten begonnen, den Verkehr kontrolliert abzuleiten... Andere Verkehrsteilnehmer haben diesen Vorgang beobachtet und vermutlich aufgrund dessen versucht zu wenden, um aus dem Stau zu fahren“, erklärt Desirée Krikkis, Sprecherin der Polizei Delmenhorst die Situation. Eigenständiges Wenden sei aber verboten. Es sei dringend notwendig, die Anweisungen der Beamten zu beachten.
Damit wurden die Verkehrsteilnehmer de facto zu Geisterfahrern und provozierten weitere Unfälle – unter anderem mit Fahrzeugen der Rettungskräfte, die zu dem Zeitpunkt nach Angaben von Nonstop News aufgrund von Nachalarmierungen immer noch die Unfallstelle anfuhren. Auch die Polizeisprecherin betont die möglichen schweren Folgen in Form von Eigen- und Fremdgefährdung.
Wie die Nachrichtenagentur berichtet, war die Polizei „zügig vor Ort und notierte etliche Kennzeichen. Einzelne wurden sogar vor Ort geahndet.“ So klärt in dem rund eineinhalb Minuten langen Clip eine Beamtin einen der Verkehrssünder „über die „Ordnungswidrigkeit, wenn nicht sogar Verkehrsstraftat“ sowie die daraus entstehenden Konsequenzen auf. „Wir werden prüfen, wem dort was erlaubt wurde und wem nicht“, unterstreicht Desirée Krikkis. Videomaterial und Zeugenaussagen liegen den Ordnungshütern demnach vor.
„Selbst große Lkw haben hier gedreht, ein Unding ist das – wo hier noch alles mögliche passieren kann“, berichtet Augenzeuge Klaus Eilers entsetzt. In den sozialen Netzwerken gingen die Bilder viral und wurden binnen weniger Stunden mehr als 650 Mal geteilt, erreichten über 80.000 Aufrufe und tausende Reaktionen: „Was geht im Kopf solcher Menschen ab?“, fragt eine Userin schockiert, andere fordern „lebenslanges Fahrverbot“ – und das sind noch die harmloseren Kommentare.
Tatsächlich sieht der Bußgeldkatalog 2017 für Fahren entgegen der Fahrtrichtung ein variables Bußgeld vor, das bei 75 Euro beginnend eine Höhe von mehren hundert Euro erreichen kann. Desweiteren drohen bis zu drei Punkte in Flensburg sowie bis zu fünf Jahre Haft und Entzug der Fahrerlaubnis. Kommt es bei dem verbotenen Manöver zu einen Unfall, kann der Fall auch als Straftat behandelt werden.
Nonstop News erklärt in ihrem Posting, die Videos der Polizei als Zeugenmaterial zur Verfügung stellen zu wollen. Denn: „So geht es einfach nicht weiter“, macht die Nachrichtenagentur mit Sitz in Delmenhorst deutlich.
Sehen Sie hier eine Dokumentation zum Thema „Rettungsgasse“:
