OLDENBURG - Dass die ungebetenen Gäste Gartenfreunde seit einigen Wochen schier zur Verzweiflung treiben, kann Dr. Thomas Brand zwar gut verstehen. Ein außergewöhnliches Naturphänomen vermag der Referent für Pflanzenschutz im Gartenbau bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (Oldenburg) in der Invasion von Nacktschnecken aber nicht zu erkennen.

„Die Große rote Wegschnecke und die kleinere Ackerschnecke lieben nun mal die hohe Feuchtigkeit und die damit verbundene dichte Vegetation“, sagt Brand. Die unangenehme Folge des bisher so feuchten Sommermonats Juli: Die Schnecken vermehren sich wie wild und fressen so manchen Garten kahl – durchaus nicht im Schneckentempo. Salat, Tagetes und Phlox zählen zu den Lieblingsspeisen der schleimigen Kriechtiere, die eine Größe bis zu 15 Zentimetern (Große Wegschnecke) bzw. sechs Zentimetern (Ackerschnecke) erreichen und deren Appetit scheinbar nie gestillt ist.

Doch was tun gegen den Kahlschlag in den Beeten? „Man sollte die Bekämpfung immer integriert betrachten“, rät Brand. Schneckenkorn gilt als probates (chemisches) Mittel, Schneckenzäune auch. Doch damit lassen sich allenfalls begrenzte Terrains sichern. „Einen großen Garten kann man mit solchen Zäunen schlechterdings nicht schützen“, räumt der Pflanzenschutzfachmann ein.

Natürlich gibt es auch die etwas rustikaleren Bekämpfungsmethoden. Doch die Tiere nachts mit kochendem Wasser zu überbrühen oder mit dem Spaten zu meucheln, ist nicht jedermanns Sache – vom Aspekt der Tierqälerei ganz zu schweigen.

Bleibt noch die berühmte Bierfalle. Bier lockt Nacktschnecken an wie das Licht die Motten. Die Schnecken fallen auf mit Gerstensaft gefüllte Gefäße buchstäblich herein und finden im Suff nicht wieder hinaus. Sie ertrinken und können am Morgen danach in der Mülltonne entsorgt werden.

„Die Wirkung der Bierfalle wird aber überschätzt“, warnt Brand vor übertriebenen Erwartungen. Sein spezieller Tipp: Die Schnecken aus den Beeten weglocken mit Pflanzen, die sie noch lieber mögen als Salat. Mit Kapuzinerkresse zum Beispiel.