OLDENBURG - Für Benjamin Schmitz ist eine Welt zusammengebrochen: Der 17-Jährige ist von Geburt an taub, hören kann er nur mit technisch hochkomplizierten Geräten. Und eine Komponente davon ist ihm nun gestohlen worden. Der zum Implantat gehörende Sprachprozessor ist samt Rucksack aus der Umkleidekabine an der Brandsweghalle verschwunden.
Dort hatte er mit seinen Klassenkameraden an einem Fußball-Schulturnier teilgenommen (die NWZ berichtete). Doch viel schwerer als der materielle Verlust des 5000 Euro teuren Geräts wiegt das persönliche Leid, das der Diebstahl ausgelöst hat.
Benjamin, der mit seinen Eltern in Hinte bei Aurich wohnt und das Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte am Lerigauweg besucht, fehlt seitdem in der Schule. „Was soll er da auch, er hört nichts mehr“, sagt seine Mutter. Sie setzt auf das Gewissen der Diebe. „Mit dem Gerät können sie nichts anfangen“, sagt Manfred Isstas, Leiter des Landesbildungszentrums. Benjamin schätzt er als gewissenhaft und ernsthaft lernenden Schüler.
Benjamin trägt eine sogenannte Innenohrprothese, ein Cochlear-Implant. Ein außen am Kopf getragener Sprachprozessor wandelt Schallwellen in elektrische Impulse um und sendet sie durch die Haut an die Prothese im Innenohr. Durch diese Prothese ist Benjamin in der Lage, Sprache zu hören und zu verstehen. Ohne den Sprachprozessor erfolgt aber keine Weitergabe von Signalen an die Innenohrprothese, der 17-Jährige ist von der Kommunikation abgeschnitten.
Die Hörhilfe trägt er seit 1995. Im Alter von zehn Monaten stellten Ärzte die Gehörlosigkeit fest. Normale Hörgeräte brachten keinen Erfolg, erst nach einer Operation, in der das Implantat eingesetzt wurde, stellten sich erste Erfolge ein. Mittlerweile kann Benjamin sprechen und hören – wenn man langsam mit ihm redet.
Die Schutzhülle des Geräts wurde am Tag des Diebstahls auf dem Schulgelände des Schulzentrums Eversten gefunden. Von dem Sprachprozessor „Nucleus Esprit“ fehlt jede Spur. Im Schulzentrum Eversten wurden Flugblätter verteilt, auf den die Schülerinnen und Schüler zur Mithilfe aufgefordert werden. Einen Ersatz gibt es frühestens in 14 Tagen, wenn der Papierkram erledigt ist.
Der Dieb, so hoffen alle, könnte das Gerät in einen Briefumschlag stecken und beim Landesbildungszentrum am Lerigauweg in den Briefkasten stecken.
