OLDENBURG - So viel schwer bewaffnete Polizei hat das Oldenburger Landgericht noch nicht gesehen. Das Gebäude glich am Freitag einer Festung, es war weiträumig abgesperrt worden. Ein mit Maschinenpistolen bewaffnetes Sondereinsatzkommando der Polizei sicherte Aus-und Eingänge. Drinnen im Sitzungssaal 1 tagte die Oldenburger Schwurgerichtskammer gegen drei Mitglieder des Motorradclubs „Gremium MC“ aus Vechta. Die 35, 38 und 40 Jahre alten Angeklagten sollen nicht nur versucht haben, ihren Vereinspräsidenten zu töten, sie sollen auch die Ermordung von Oberstaatsanwalt Thomas Kirstein geplant haben.

Am 24. Oktober 2009 hätten die Angeklagten dem Vereinspräsidenten mit Stichwaffen und Schlagringen im Clubhaus in Vechta schwere Kopfverletzungen zugefügt, unterstützt von 60 Rockern der „schnellen Eingreiftruppe“ von „Gremium MC“. Ziel soll die Entmachtung des Präsidenten gewesen sein, um selbst die Führung zu übernehmen. Wenige Monate später, am 13. Februar 2010, sollen die Angeklagten den Präsidenten in dessen Wohnhaus aufgesucht haben, um Geld von ihm zu erpressen. Dieser Überfall war aber gescheitert, weil der Präsident mit einer auf Dauerfeuer eingestellten Maschinenpistole bewaffnet gewesen war. Auf das Konto der Angeklagten sollen auch Schutzgelderpressungen im Rotlichtmilieu gehen.

Rund 100 Rocker waren zum Prozesstermin erschienen. Spürhunde hatten ihre Fahrzeuge durchsucht. Wer einen der Plätze im Sitzungssaal beanspruchen wollte, musste sich einer umfassenden Leibesvisitation unterziehen. Sogar Gehhilfen und Kugelschreiber mussten geöffnet werden. Die Polizei hatte um das Landgericht mehrere Absperrungen errichtet.

Im Sitzungssaal selbst verzögerte sich derweil der Prozessbeginn. Die Bremer Verteidiger Christian Rosse, Hans Israel und Michael Zinke hatten noch vor Verlesung der Anklageschrift etliche Aussetzungsanträge gestellt und Besetzungsrügen erhoben. Doch dann holte Anwalt Zinke zum ganz großen Schlag aus. Nicht nur die Richter der Schwurgerichtskammer seien befangen, sondern die gesamte Oldenburger Justiz, behauptete er.

Grund dafür sei der Umstand, dass alle Oberstaatsanwalt Thomas Kirstein kennen und sogar mit ihm Kaffee trinken würden. Deswegen soll die Oldenburger Justiz nicht objektiv sein können, weil sie unterbewusst zum Oberstaatsanwalt Kirstein halten würde, dessen Ermordung geplant gewesen sein soll.

Die Kammer will in den nächsten Tagen über die Anträge entscheiden. Der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann sah sich aber schon einmal veranlasst, den „Druck aus dem Verfahren“ zu nehmen“: „Nicht jedes Clubmitglied ist ein blutrünstiger Schwerverbrecher“, sagte er, fügte aber hinzu, dass sie auch wohl keine Pfadfinder seien. Für den Prozess sind 21 Verhandlungstage vorgesehen.