Oldenburg/Schortens - Zahlreiche Ärzte aus dem Nordwesten bezweifeln, dass bei der Digitalisierung im Gesundheitswesen in Form der elektronischen Patientenakte der Datenschutz gewährleistet wird. In einem Schreiben, das von mehr als 40 Medizinern unterzeichnet ist, formuliert Eike Windau, Frauenarzt aus Schortens (Kreis Friesland) seine Zweifel. Patientendaten seien nur dort sicher, wo sich Ärzte nicht an die Telematik hätten anschließen lassen, schreibt Windau.

Worum dreht sich der Konflikt

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Telematik Infrastruktur oder TI ist ein Netzwerk, an das von bundesweit 175 000 Praxen 115 000 angeschlossen sind – gut zwei Drittel. Etliche Praxen haben sich von der Telematik-Infrastruktur wieder trennen lassen. Verweigern sich Ärzte, wird ihnen ein Teil des Honorars abgezogen (2,5 Prozent). Ärzte äußerten Zweifel an der Sicherheit des Systems. Eike Windau: „Zum einen ist nichts im Internet sicher aufgehoben und zum anderen bringen die Konnektoren, welche wir in die Praxis gestellt bekommen, im Mittel circa 402 potenzielle Verwundbarkeiten, elf kritische, 141 hochbrisante, 250 mittelbrisante (Stand 31. Dezember 2019), mit.“

Woran stören sich die Kritiker unter den Ärzten

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Besonders stören sich Eike Windau und seine 40 TI-kritischen Berufskollegen aus dem Nordwesten daran, dass der Chaos Computer Club im Dezember 2019 herausgefunden hat, dass der „Schlüssel“ zur TI (die SMCB-Karte) ohne Pro­bleme für jedermann zu bestellen war: „Sogar mit Lieferung an die Käsetheke. Würden Sie wichtige Dinge in einem Gebäude verstauen, von dem Sie nicht wissen wie viele Schlüssel zur Eingangstür im Umlauf sind und wer diese hat?“, fragt der Mediziner.

Wie gehen die Kritiker mit dem Zwang um

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Die unterzeichnenden Ärzte haben sich entweder noch gar nicht anschließen lassen oder haben ihre Praxis durch externe IT-Fachleute nach Anschluss an die TI überprüfen lassen. „Alle überprüften Praxen waren nicht einmal nach den Kriterien angeschlossen, die das BSI als Grundschutz bezeichnet“, heißt es in der Erklärung von Windau und seinen Kollegen, darunter Mediziner aus Sande, Zetel, Oldenburg, Wilhelmshaven, Jever, Leer und Delmenhorst.

Sie appellieren an ihre Berufskollegen, die Sicherheitslücken, die aufgetreten sind, nicht zu ignorieren: „Liebe ärztliche Kollegen: Wacht auf! Es geht um unser höchstes Gut. Die Schweigepflicht! Außerdem haftet der Arzt für Datenverlust, auch wenn er von einer IT Firma falsch oder unzureichend angeschlossen wurde, mit seinem Privatvermögen. Und das kostet mehr als die Strafe für das Nicht- Anschließen.“

Auch die Patienten sollten die sichere Behandlung ihrer Daten fordern, schreiben die Telematik-Kritiker.