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Neue Gruppe für Menschen mit Amputation

29.11.2018

Oldenburg „Es gibt einen Interessenten, der im Raum Wilhelmshaven und Friesland auch eine Gruppe gründen möchte.“ Ele Herschelmann, Mitarbeiterin der BeKoS Oldenburg, der Beratungs- und Koordinationsstelle für Selbsthilfegruppen, sitzt in den Räumen der Lindenstraße. Ihr gegenüber hat Claudia L. Platz genommen, die gespannt auf den Ausdruck mit der Kontaktaufnahme schaut. „Da ist schon mächtig was ins Rollen gekommen“, sagt sie mit leuchtenden Augen. Sie blickt auf, dreht sich wieder zu Ele Herschelmann um ihre gemeinsamen Planungen weiter voranzutreiben: Eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Amputation.

Was man auf den ersten Blick nicht erkennt – Claudia L. ist von einer solchen Amputation betroffen. Seit einem Jahr lebt sie ohne den Unterschenkel ihres linken Beines – dank einer Prothese kann sie viele Dinge aber ganz normal machen. Bis dahin war es aber ein langer, steiniger Weg.

Langer Leidensweg

Es begann im Jahr 2014. Damals hatte Claudia L. einen Motorradunfall mit einer offenen Fraktur am linken Unterschenkel. Ein Keim im Bein entzündete sich. Dreieinhalb Jahre kämpfte sie um ihr Bein. „Der Keim flammte immer wieder auf“, sagt sie. Der gesamte Unterschenkel musste amputiert werden – nach dieser Leidenszeit war nun die Möglichkeit, wieder nach vorn zu blicken. „Ich war froh, als ich mein neues Bein hatte“, sagt Claudia. Sie war darauf vorbereitet, konnte in der Zeit ihre Wohnung behindertengerecht umbauen.

Nach der Amputation startete sie mit einer Reha zurück ins Leben – und fasste den Entschluss, sich für Leute, denen ein ähnliches Schicksal widerfahren ist, einzusetzen – mit ihnen zu sprechen, sie mit Informationen zu versorgen und ihnen Kraft zu geben.

Sie informierte sich, wo man außerhalb von Reha und Krankenhaus im Oldenburger Land Hilfe und Unterstützung erhalten kann – erfolglos. „Die nächsten Selbsthilfegruppen, in denen man sich mit anderen Betroffenen austauschen kann, befinden sich in Hannover und Hamburg“, berichtet sie. „Ich habe gedacht, das kann doch nicht angehen“. Es dauerte nicht lange, da steckte sie bereits in den Planungen zur Gründung einer eigenen Gruppe in Oldenburg. „Ich bin noch jung, ich kann noch so viel machen und bewegen“, sagt Claudia L. Während sie davon erzählt merkt man, wie viel Energie in ihr steckt. Die möchte sie möglichst gern auch auf andere Betroffene übertragen.

Sie machte sich an die Arbeit, sprach mit Ärzten und Physiotherapeuten, besuchte eine bereits bestehende Gruppe in Hannover. Dabei bemerkte sie eine extreme Versorgungslücke im Nordwesten auch im Bereich der Gehschulen für Prothesen. „Es gibt dort große Unterschiede zwischen einem künstlichen Knie, einer künstlichen Hüfte oder einem künstlichen Bein“, erklärt sie.

Aus ihrer Sicht musste einfach etwas für Betroffene passieren. „Häufig sind auch ältere Menschen von einer Amputation betroffen. Die wissen nur selten, was es für sie für Möglichkeiten gibt“, ärgert sich Claudia L.

Deshalb ist das Ziel ihrer Gruppe, persönliche Erfahrungen über Möglichkeiten und Probleme im täglichen Leben auszutauschen, sich gegenseitig beim Umgang mit der neuen Lebenssituation zu unterstützen, Informationen über prothetische Versorgung weiterzugeben und Angehörige mit einzubeziehen. „Eine Selbsthilfegruppe zeigt, was man zusammen erreichen kann und sorgt auch für die Stärkung eines jeden Einzelnen“, weiß auch Ele Herschelmann. Darüber hinaus ist das Ziel, sich für eine wohnortnahe Versorgung mit optimal angepassten Prothesen sowie eine Gehschule in direkter Umgebung, starkzumachen.

Seit vier Wochen besteht nun ein enger Austausch zwischen Claudia L. und der BeKoS. Der Verein steht bei der Gründung der Selbsthilfegruppe unterstützend zur Seite. „Uns steht ein großes Netzwerk zur Verfügung. Damit können wir die Öffentlichkeitsarbeit der neuen Gruppe fördern und andere betroffene Menschen in der Region Oldenburg über die Neugründung informieren. Aber auch die weitere Begleitung der Gruppen liegt uns sehr am Herzen“, so Mitarbeiterin Ele Herschelmann. Das kommt auch bei Claudia L. gut an. „Es ist eine sehr wertvolle Unterstützung“, sagt sie.

Blick nach vorn richten

Eines ist Claudia L. und Ele Herschelmann ganz besonders wichtig. „Viele denken, dass in Selbsthilfegruppen nur geklagt wird. Das ist aber nicht so. Man kann mit Betroffenen sprechen, die ähnliches erlebt haben und sich in die anderen Gruppenteilnehmerinnen und -teilnehmer hineinversetzen“, sagt Herschelmann. Ansonsten soll der Blick aber nach vorn gerichtet werden. „Man hat mit einer Prothese neue Möglichkeiten. Es ist einfach eine Kopfsache, wie man das annimmt“, sagt Claudia L. Ganz nach dem Motto: Das Leben geht weiter.

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Sönke Spille Volontär, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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