OLDENBURG - Brauchen Flachlandtiroler eine Höhenrettung? Nicht so oft, aber öfter als man denkt, und dann wirklich dringend. Deshalb verfügt die Berufsfeuerwehr Oldenburg inzwischen über 20 speziell ausgebildete Höhen- und Tiefenretter.

Die Berufsfeuerwehr war eine von 22 Einheiten aus ganz Nordwestdeutschland, die sich am Sonnabend bei den Johannitern in der Industriestraße an der regionalen Tagung des 2009 gegründeten Netzwerks Höhenrettung beteiligten – so wie die Johanniter Weser-Ems (deren Höhenretter-Einheit ihren Sitz in Norden hat), die Malteser Damme, die Werksfeuerwehr Lingen, die sich um die dortige Erdölraffinerie kümmert, das SEK Bremen, die Feuerwehren aus Emden, Cuxhaven, Borkum, Delmenhorst, Hannover, Osnabrück und Braunschweig, die Landesfeuerwehrschule in Loy und die Katastrophenschutzschule Heyrothsberge. „Das Netzwerk ist aus meiner Sicht in dieser Größe einmalig“, so die Wissenschaftlerin Sophie Ruhrmann von der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Die Kooperation soll alle Retter, die mit Seilrettungssystemen arbeiten, auf den gleichen Stand bringen und damit sowohl den Menschen in Not als auch der eigenen Sicherheit dienen. „Es ist die Idee über den Tellerrand zu schauen und auf einer breiten Basis in Kontakt zu kommen“, sagt Jürgen Weihrauch, der Leiter der Höhenrettungsgruppe der Johanniter.

Peter Zänker, Leiter der Spezialeinheit der Oldenburger Berufsfeuerwehr, sagt: „Jeder Fall hat andere Herausforderungen. Deshalb ist es gut, sich darüber auszutauschen.“ Sein Kollege Christian Berkenbrink sagt: „Da ist der 22-Jährige, der betrunken auf einen 60 Meter hohen Strommast klettert und 40 Meter über der Erde merkt, dass er Höhenangst hat. Da ist der verletzte Dachdecker, der Baukranführer, der in 60 Meter Höhe einen internistischen Notfall erleidet, der Junge, der in einen engen Brunnen gefallen ist oder auch der Mensch, der bei einem Dachstuhl in acht Meter Höhe über den Giebel gerettet werden muss.“ Auch Unfälle auf Windkraftanlagen an Land gehörten dazu, genauso wie die Absturzsicherung von löschenden Kollegen in luftiger Höhe. Dafür trainieren sie u.a. an der Huntebrücke, am RCG Silo, der Rentenanstalt, an Baukränen, an Universität und Fernsehturm.

Karsten Röhr
Karsten Röhr Redaktion Oldenburg