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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Was für Sturmgeschädigte jetzt wichtig ist

07.10.2017

Oldenburg Der Sturm „Xavier“ hat vor allem in Nord- und Ostdeutschland schwere Schäden angerichtet – auch der Nordwesten ist nicht verschont worden. Zahlreiche Bahnstrecken wurden gesperrt, Bäume stürzten auf die Straßen, Häuser wurden beschädigt, in Emden riss sich ein Autofrachter los. Was wichtig ist, wenn man von Sturmschäden betroffen ist, erklärt Werner Korfhage, Versicherungsfachwirt bei den Öffentliche Versicherungen Oldenburg.

Als erstes sei es wichtig, den Schaden möglichst gut zu dokumentieren, rät Korfhage. Fotos sind da am hilfreichsten – und mit dem Smartphone ja auch schnell geschossen. Danach sollte man möglichst versuchen, den Schaden gering zu halten. Wenn zum Beispiel das Dach beschädigt wurde, sollte man eine Notabdichtung aufbringen oder aber aufbringen lassen, damit kein Regen eindringen kann, rät der Versicherungsexperte.

Zweitens sollte der Schaden möglichst bei der örtlichen Versicherungsvertretung gemeldet werden, teilt Korfhage mit. Denn die würden kleinere Schäden schnell und unkompliziert regeln können. Bei größeren Schäden würden dort auch die nächsten Schritte veranlasst.

Drittens erklärt der Versicherungsfachwirt, welche Versicherung für welche Schäden haftet. Für Schäden an Kraftfahrzeugen haftet die Teilkaskoversicherung, während Schäden am Gebäude von der Gebäudeversicherung entschädigt würden. „In den meisten Policen besteht auch Versicherungsschutz für Aufräumkosten und Entsorgungskosten von Bäumen“, sagt Korfhage. Die Hausratversicherung leiste für Schäden am Inventar, zum Beispiel wenn Möbel beschädigt wurden, weil Regen durch das kaputte Dach eindringen konnte.

Je nach Schadensfall gibt es einige Besonderheiten: Für Autohalter gilt, dass ohne Rücksprache mit der Versicherung kein Schaden vorschnell beseitigt werden sollte. Die Versicherung muss immer die Möglichkeit haben, den Schaden durch eigene Gutachter bestimmen zu lassen, so der Bund der Versicherten (BdV). Die Polizei muss zur Aufnahme von Sturmschäden am Auto übrigens nicht gerufen werden.

Für Hausbesitzer gilt, dass die Hausrat- oder Wohngebäudeversicherung bei Sturmschäden zahlt – auch für die Folgeschäden. Wichtig zu wissen ist jedoch, dass Schäden durch Überschwemmungen aufgrund von Starkregen nicht automatisch versichert sind. Hier ist eine Elementarschadenversicherung nötig.

Pendler, die mit der Bahn unterwegs waren als sie vom Sturm überrascht wurden, haben teilweise Anspruch auf Rückerstattung. Fallen wie aktuell im Nordwesten reihenweise Züge ersatzlos aus, bekommen die betroffenen Fahrgäste den Ticketpreis komplett erstattet. Auch bei Sparpreis-Tickets sei das kostenlos, sagte ein Sprecher der Bahn. Hier wären bis einen Tag vor dem ersten Geltungstag der Fahrkarte eigentlich 19 Euro als Gebühr fällig. Tickets für ausgefallene Züge können alternativ bis zum 15. Oktober weiter eingelöst werden, so die Bahn – dies gelte auch für Fahrkarten mit Zugbindung.

Hat sich ein Zug wegen des Unwetters lediglich erheblich verspätet, muss die Bahn einen Teil des Ticketpreises erstatten. 25 Prozent des Fahrpreises gibt es ab 60 Minuten Verspätung und 50 Prozent ab 120 Minuten. Entscheidend für die Berechnung ist die Ankunftszeit am Zielort. Das Argument, dass ein Unwetter höhere Gewalt ist und die Deutsche Bahn und Co. daher nicht zahlen müssen, gilt nicht, wie der Europäische Gerichtshof (EuGH, Rechtssache C-509/11) entschieden hat.

Die Erstattung können Reisende in den DB Reisezentren, DB Agenturen und im Internet mit dem Fahrgastrechte-Formular beantragen.

Außerdem noch gut zu wissen: Jeder ist für seinen Versicherungsschutz selbst verantwortlich, betont Korfhage. „Wenn zum Beispiel der Baum vom Straßenrand oder vom Nachbargrundstück auf mein Gebäude oder mein Auto fällt und dieses beschädigt wurde, muss ich den Schaden meiner Versicherung melden. Haftpflichtansprüche bestehen im Allgemeinen nicht“, sagt Korfhage.

Eine erste Schadenbilanz kann Korfhage auch schon geben, denn innerhalb weniger Stunden seien bereits über 1.000 Schadensmeldungen eingegangen. Darunter seien auch große Gebäudeschäden, bei denen dicke Bäume erhebliche Schäden verursacht hätten. „Wir rechnen noch mit vielen weiteren Meldungen und einem Gesamtaufwand von mehreren Millionen Euro“, fasst Korfhage die Lage im Nordwesten zusammen.