OLDENBURG - Stundenlang haben die Ermittler den beschuldigten Micky M. am Dienstagabend und Mittwochvormittag vernommen. Doch der 19-Jährige aus Lemwerder (Kreis Wesermarsch) blieb bei seiner Aussage. Mit dem Mord an dem Oldenburger Taxifahrer Erhard P. (58) am Freitagnachmittag habe er nichts zu tun. Dagegen gestand er, am Sonnabend in Stuhr eine 61-jährige Taxifahrerin mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt zu haben. Zehnmal soll er auf die Frau eingestochen haben.

Ein Spezial zu den Fällen

Der Beschuldigte steht nach Angaben seines Anwalts Rüdiger Bibow (Bremen) selbst fassungslos vor seiner Tat. „Er weiß, dass er es gewesen ist. Eine vernünftige Erklärung gibt es aber nicht.“ Der 19-Jährige habe zwar die Geldbörse seines Opfer geraubt. M. sei aber nicht in Geldnöten gewesen, so Bibow. Als Auszubildender im dritten Lehrjahr als Elektroniker verdiente der 19-Jährige sein eigenes Geld. Er sei auch kein Kneipen- oder Diskothekengänger. Mit Ausnahme eines kleines Verkehrsdelikts sei er unbescholten. Bibow: „So ein Aussetzer ist unerklärbar. Damit werden sich sicher Gelehrte anderer Fakultäten beschäftigen müssen.“

Auf die Spur war die Polizei dem 19-Jährigen gekommen, weil dieser bei dem Überfall in Stuhr seinen Ausweis am Tatort verloren hatte. Spuren des Beschuldigten fanden die Ermittler auch auf dem Feldweg neben der Elsflether Straße, wo Erhard P. erstochen wurde.

„So wie die Sache aussieht, hat M. mit dieser Tat nichts zu tun. Falls die Spurenbeweislage sich anders entwickeln sollte, muss er es perfekt verdrängt haben“, meint Anwalt Rüdiger Bibow.

Die Spuren vom Oldenburger Tatort lässt die Polizei derzeit beim Landeskriminalamt (LKA) untersuchen. Dass es sich dabei auch um DNA-Spuren handelt, wollte Polizei-Chef Johann Kühme am Mittwoch nicht bestätigen.

Unter Oldenburgs Taxifahrern herrscht derweil weiter Betroffenheit. „Die Taten machen den Kollegen zu schaffen“, weiß Gerald Lamping, Herausgeber des Taximagazins „Innenspiegel“. An diesem Freitag fahren Taxifahrer nach Weyhe zur Trauerfeier ihres ermordeten Kollegen.