Oldenburg - Im Prozess vor der Schwurgerichtskammer des Oldenburger Landgerichtes um tödliche Messerstiche in einer Oldenburger Flüchtlingsunterkunft ist der 25-jährige Angeklagte aus dem Südsudan am Dienstag nur wegen der Skalpierung des Opfers verurteilt worden (zweieinhalb Jahre Gefängnis). Der ursprünglich angeklagte Mord war nach Überzeugung der Kammer durch Notwehr gedeckt.

Zwischen dem Angeklagten und dem später Verstorbenen aus Eritrea war es im Vorfeld der Tat immer wieder zu Streitigkeiten gekommen. Es ging ums Geld, das der Mann aus Eritrea dem Angeklagten gestohlen haben soll. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Sebastian Bührmann war davon überzeugt, dass die Aggressionen im Vorfeld der Tat in erster Linie von dem später Verstorbenen ausgegangen waren.

Am 4. November vorigen Jahres eskalierte vor der Flüchtlingsunterkunft dann der Streit zwischen den Männern. Den Feststellungen zufolge schlug der Mann aus Eritrea mit einer schweren Eisenstange auf den Kopf des Angeklagten. Und weil weitere Schläge zu erwarten waren, rammte der Angeklagte dem Angreifer ein Messer tief in den Brustkorb. Nach der durch Notwehr gedeckten Tat war der Angreifer außer Gefecht gesetzt, die Notwehrlage damit beendet.

Doch dann hatte der Angeklagte den Angreifer bei lebendigem Leib skalpiert. Dazu musste er mehrmals nachschneiden. Richter Bührmann sprach von einer grausamen Herangehensweise. Zum Glück war das Opfer bewusstlos. Bei vollem Bewusstsein halte man die unvorstellbaren Schmerzen nicht aus, sagte eine medizinische Sachverständige. Der 28-Jährige war im Juni 2018 aus Friedland nach Oldenburg überwiesen worden. Seit knapp einem Jahr war das Opfer als Flüchtling anerkannt. Er besuchte Deutschkurse und war bestens integriert. Die Schwurgerichtskammer wertete die Tat als gefährliche Körperverletzung. Die Kammer ging bei der Skalpierung des Opfers von einer Bestrafungsaktion aus. Der Mann aus Eritrea ist noch am Tatort verstorben.