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Zivilcourage: Oldenburger Polizeipräsident plädiert für mehr Hilfsbereitschaft

OLDENBURG - Für mehr Hilfsbereitschaft in der Gesellschaft hat sich der Präsident der Polizeidirektion Oldenburg, Hans-Jürgen Thurau ausgesprochen. Anlässlich des Tages der Zivilcourage, der an diesem Mittwoch in ganz Niedersachsen begangen wird, unterstrich Thurau im Gespräch mit dieser Zeitung die Notwendigkeit, sich für andere Menschen zu engagieren: „Wenn wir anderen Menschen nicht helfen, versündigen wir uns an der Demokratie.“

Thurau warnte gleichzeitig davor, in kritischen Situationen übermütig und waghalsig vorzugehen. Niemand müsse sich selbst in Gefahr bringen, aber das Grundprinzip des Hinschauens sei bereits der erste Schritt zum richtigen Vorgehen.

Wer im Konfliktfall den Opfern helfen wolle, sei gut beraten, zunächst andere Menschen in der Umgebung laut zum Mitmachen aufzufordern und demonstrativ den Notruf 110 – „das funktioniert am Handy ohne Vorwahl“ – zu wählen. Schon diese Maßnahmen könnten Täter abschrecken und verunsichern.

Anschließend gehe es darum, sich mögliche Tätermerkmale genau einzuprägen, sich um die Opfer zu kümmern und der Polizei als Zeuge zur Verfügung zu stehen. Wichtig sei es, so Thurau, einige Grundtugenden zu beachten – so gehöre zu Klugheit, Gerechtigkeit und Tapferkeit auch die Fähigkeit, das richtige Maß zu wahren.

Thurau warnte zugleich vor fahrlässig-leichtfertigem Verhalten an öffentlichen Orten. So könne man sich beispielsweise an Geldautomaten diskret verhalten – „und ich muss ja auch nicht unbedingt derjenige sein, der zu einer Gruppe betrunkener Jugendlicher geht und ihnen sagt, sie sollten nun mal leise sein.“

Zivilcourage sei im übrigen nicht nur bei Gewalt angebracht, sondern beginne bereits im Kleinen. „Wir müssen mehr Mut zur Zuwendung und Achtsamkeit haben.“ Dazu gehöre die Hilfsbereitschaft im Alltag oder auch das Nachfragen beim Nachbarn, den man länger nicht gesehen habe.

Neben einer zunehmenden Brutalisierung gebe es in der Gesellschaft aber auch viele couragierte Mitbürger, so Thurau: „Auch wenn es Überwindung kostet: Die Brutalisierung müssen wir ächten, die Hilfsbereitschaft fördern.“

Landesweite Kampagne zum Aktionstag gegen Gewalt:

Jedes Jahr werden nach Polizeiangaben 1,4 Millionen Straftaten im öffentlichen Raum begangen. Unter den 30.000 Straftaten im Oldenburger Land sind 10 000 Körperverletzungsdelikte und 900 Raubüberfälle.

"Schau hin! Sag was! Tu was!" Unter diesem Motto wirbt die Polizei für eine Kultur des Hinschauens und Helfens. Dabei gehe es nicht nur um spektakuläre Fälle. Zivilcourage habe auch in der Region viele Gesichter.

Preise für Zivilcourage werden in mehreren Orten des Oldenburger Landes vergeben. In Oldenburg, Wilhelmshaven und Delmenhorst werden jedes Jahr Menschen durch Kommunen und Präventionsräte ausgezeichnet. Im vergangenen Jahr hat das Land Niedersachsen erstmals zu einem „Aktionstag für Zivilcourage und gegen Gewalt“ aufgerufen.

Jürgen Westerhoff
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