Oldenburger Land - Das Pilotprojekt Gemeindenotfallsanitäter soll bald die Rettungsdienste in der Stadt Oldenburg und den Landkreisen Cloppenburg, Ammerland und Vechta entlasten. Diese Sanitäter sollen bei Notrufen zum Einsatz kommen, bei denen keine lebensbedrohliche Situation besteht, aber trotzdem medizinische Hilfe nötig ist. „Kollegen in der Leitstelle haben in diesen Fällen momentan keine andere Möglichkeit, als den Rettungswagen zu schicken“, sagt der Leiter des Malteser Rettungsdienstes in Oldenburg, Frank Flake. Er ist einer der Initiatoren des Pilotprojektes.
Das Projekt Gemeindenotfallsanitäter aus dem Oldenburger Land ist bundesweit einmalig, ähnliche Systeme gibt es laut den Initiatoren nur im Ausland – etwa in Kanada und England.
Initiatoren des Projektes sind die Berufsfeuerwehr der Stadt Oldenburg, der Rettungsdienst Ammerland, das Deutsche Rote Kreuz Cloppenburg sowie der Malteser Hilfsdienst aus Oldenburg und Vechta. Es wird vom Klinikum Oldenburg und den Universitäten Oldenburg und Maastricht wissenschaftlich begleitet. Die Finanzierung übernehmen die Krankenkassen.
Im September hat eine zweijährige Testphase begonnen, wie Stefan Thate, Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr Oldenburg erklärt. Zunächst durchlaufen die bereits ausgebildeten Sanitäter, die bereits mindestens fünf Jahre Erfahrung im Dienst haben, eine dreimonatige Fortbildung, bevor sie dann im Januar 2019 ihren Dienst antreten.
Großleitstelle Oldenburg: Notfalleinsätze bei Bagatellen sollen reduziert werden
Grund für das Projekt ist unter anderem, dass die Zahl der Rettungseinsätze laut Thate seit Jahren steigt, obwohl bis zu 30 Prozent der Einsätze keine Notfallrettung erfordern. „Viele Leute benötigen Angebote, die die Rettungsleitstelle nicht vermitteln kann“, sagte Thate. Beispielsweise wenn jemand am Samstagabend die 112 wählt, weil sein Blasenkatheter gewechselt werden muss. Eigentlich kein Fall für die Notfallretter. „Aber da kann man schlecht sagen: Beißen Sie mal bis Montagmorgen die Zähne zusammen“, sagt Thate. In Zukunft sollen dann Gemeindenotfallsanitäter zum Einsatz kommen und so die Rettungsdienste entlasten.
Den Patienten soll durch das neue System kein Nachteil entstehen. Die Einsätze werden zentral über die Leitstelle gesteuert, sodass bei klassischen Notfällen nach wie vor der Rettungsdienst kommt.
