Wildeshausen - Normalerweise ist die Feuerwehr fürs Retten zuständig. Nun aber muss ein Rettungskonzept für die Feuerwehr her. Genauer gesagt für das Gelände, wo im kommenden Jahr mit dem Bau der neuen Feuerwehr begonnen werden soll. Der Standort Pagenmarsch hat sich als Fass ohne Boden erwiesen. Im Monats-Rhythmus steigen die Kosten für die Sanierung der einstigen Schuttkippe. War im September offiziell noch von 870 000 Euro die Rede, so fordert die Verwaltung nun einen Freibrief für 2,85 Millionen Euro. „Und keiner weiß, ob das reicht“, sagt CDU-Fraktionschef Wolfgang Sasse.
Beim Ortstermin mit den Spitzen der Kreistags-CDU und Bundestagsabgeordneter Astrid Grotelüschen zeigte Sasse das Dilemma auf. „Der Rat muss sich bei seinen Entscheidungen auf Fachleute und Gutachten verlassen.“ Nach NWZ -Informationen hat auch das Rechnungsprüfungsamt des Landkreises keine Bedenken gehabt.
Zwei Ordner mit Unterlagen und Gutachten legte der Fraktionschef vor. Nirgendwo sei erkennen zu wesen, dass es eine solch dramatische Kostensteigerung geben könnte. „Wenn da Fehler von externen Experten oder in der Verwaltung gemacht wurden, muss man auch prüfen, ob nicht deren Haftpflichtversicherungen herangezogen werden können“, so Sasse.
Folgen für alle Bürger
Für ihn ist das Problem Pagenmarsch eine „Katastrophe“. Denn eine ungeplante Millionenausgabe würde der Stadt sämtliche Finanzplanungen verhageln. Und das träfe am Ende jeden Bürger, jeden Verein, jede Initiative.
Längst wird laut über einen Stopp des Pagenmarsch-Projektes nachgedacht. Dann wäre das bisher für die Sanierung aufgebrachte Geld weg. Und: Die Stadt käme mit der Planung einer neuen Feuerwehr in die Bedroille. Denn die muss wegen behördlicher Auflagen eigentlich bis 2015 stehen. Außerdem ist unklar, ob bei einem neu zu beantragenden Projekt wieder 50 Prozent Fördermittel für den Bau fließen würden. Die Alternative ist auch unsicher. Denn was die Sanierung der Pagenmarsch am Ende kosten wird, weiß derzeit niemand. Und die Befürchtungen, weitere Altlasten wie Asbest zu finden, sind groß.
Sasse hat einen dritten Weg im Blick. „Wir müssen die Fläche vergrößern und an ein Rettungszentrum denken.“ Seine Vision: Nicht nur Feuerwehr und DLRG würden an der Pagenmarsch angesiedelt. Über einen Flächentausch mit benachbarten Grundstücksbesitzer will Sasse die Möglichkeit für einen größeren Komplex schaffen. „Die Malteser könnten hier ein Domizil finden. Auch die Polizei braucht ja perspektivisch einen Neubau.“ Nutzungen, die sich laut Sasse ideal ergänzen. Und falls es für solche Projekte Fördermittel vom Land und Bund gibt, könne vielleicht ein Teil der teuren Sanierungskosten kompensiert werden.
Zehn Alternativen
Mancher Kritiker wird sich bestätigt fühlen. Denn die Pagenmarsch war immer umstritten. Insgesamt zehn Alternativ-Standorte für eine neue Feuerwehr habe es in den vergangenen Jahren gegeben. Auf einem entsteht gerade eine Ausstellung für Kunst- und Golfrasen (siehe auch Seite 36). Übrigens: Das Feuerwehrgebäude selbst soll deutlich günstiger werden als die Sanierung des Bodens. Gerade mal auf zwei Millionen Euro ist die neue Wache kalkuliert. Und mancher Feuerwehrmann fürchtet nun, dass bei der Ausstattung mehr Rotstift als Qualität verbaut wird.
