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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Hat der Vater seine sechs Monate alte Tochter misshandelt?

17.01.2018

Osnabrück Äußerlich ungerührt sitzt der Angeklagte neben seinem Anwalt. Nur einmal wird der 26-Jährige auffahrend: Als ihm sein Dolmetscher die Anklageschrift übersetzt. Darin wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, im März 2014 seine erst wenige Monate alte Tochter geschüttelt zu haben, als er alleine mit ihr zu Hause war. „Das stimmt nicht, was hier steht“, ruft er zu Prozessbeginn am Dienstag.

Schwere Körperverletzung wirft die Staatsanwaltschaft dem aus Armenien stammenden Mann vor. Seine Tochter ist wegen schwerster Hirnschäden mehrfach gelähmt und in höchstem Maße pflegebedürftig, so die Anklage. Als der Säugling am 4. März 2014 per Rettungswagen in ein Osnabrücker Kinderhospital kam, bemerkten die Ärzte bei dem noch nicht einmal einem halben Jahr alten Mädchen Einblutungen im Auge und stellten mithilfe einer MRT-Untersuchung schwerste Hirnschäden fest. Das im Oktober 2013 geborene Kind musste intubiert und sediert werden und lag mehrere Monate im Krankenhaus. Die Mediziner schalteten die Polizei ein. Die 23 Jahre alte Freundin des 26-Jährigen und Mutter des Kindes war zum Tatzeitpunkt Auszubildende zur Einzelhandelskauffrau bei einem Juwelier in Melle. Zurzeit arbeite sie in der Gastronomie, erzählt die schmale, dunkelhaarige Frau. Sie sei an dem Vormittag morgens zur Arbeit gegangen. Mittags habe ihr Freund sie angerufen und gesagt, mit Anna stimme etwas nicht.

Der Angeklagte sagt zu den Tatvorwürfen nichts. Seine Freundin erzählt, wie er ihr den Fall geschildert habe: Ihr Freund sei mit dem Baby vormittags im Kinderwagen spazieren gegangen, habe es danach ins Bett gelegt. Als er in der Küche spülte, habe er nicht sofort gehört, dass das Kind schrie, erzählte die Mutter. Dann sei er aufmerksam geworden und habe nach ihm geschaut. Da habe er bemerkt, dass das Kind lethargisch war und seine Augen verdreht hatte und habe sie angerufen. „Ich war hysterisch und bin nach Hause“, erzählt sie. Sie habe sofort den Notarzt gerufen.

Im Lauf der Verhandlung wird klar, dass es schon einmal einen Verdacht auf Misshandlung des Mädchens gab, etwa einen Monat nach der Geburt. Damals habe sie das Mädchen ins Krankenhaus gebracht, weil Blut aus ihrem Mund kam, erzählt die 23-Jährige. Dem Kind sei wegen eines Windzugs eine Tür vors Gesicht geknallt, als der Vater mit ihm durch die Wohnung lief. Ein Arzt stellte damals fest, dass das Mädchen auf beiden Wangen verschiedenfarbige Blutergüsse hatte, sagt der Richter. Das könne nicht von der Tür kommen, stellte er fest.

Das Mädchen kam daraufhin zu ihren Großeltern. Hebamme und ein Jugendamt-Vertreter schauten jeden Tag vorbei, berichtet die Großmutter. Ein bis zwei Wochen vor dem zweiten Vorfall kam das Kind wieder zurück zu seinen Eltern. Inzwischen hat das Mädchen einen Vormund.

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