Oldenburg - Schubsen, an den Haaren ziehen, provozieren und beleidigen: Auseinandersetzungen wie diese gab es in den Schulen schon früher und wurden häufig als „Rangelei“ oder auch mal „Klassenkeile“ abgetan. In diesem jüngsten Fall allerdings spricht die Polizei von „gefährlicher Körperverletzung“ und ermittelt – gegen eine Achtklässlerin und zwei weitere Oldenburger Schülerinnen.
Bitterliche Tränen hatten sie geweint, als sie auf der Citywache in der Wallstraße ihr Leid klagten. Beziehungsweise erst einmal nur Schutz suchten. Die 16 und 10 Jahre alten Schwestern besuchen die Paulus-Schule und wollten am Montagnachmittag nach erledigtem Unterricht eigentlich nur heimwärts. Das aber entwickelte sich offenbar zu einem Spießrutenlauf – denn eine Gruppe von Mitschülern verfolgte sie, hatte sie zunächst „mehrfach beleidigt und provoziert“, wie es im Polizeibericht heißt. Dann sei es in der Georgstraße zu ersten Handgreiflichkeiten gekommen: Eine Achtklässlerin aus dem Trio habe der 16-Jährigen an den Haaren gezogen und sie geschubst.
Die Schwestern flüchteten gen Lappan; an der dortigen Bushaltestelle sei der „Streit dann schließlich eskaliert“. Schläge folgten, die beiden Mädchen riefen weinend um Hilfe. Und obwohl sich zu dieser Zeit viele Menschen an der Bushaltestelle aufgehalten und das Geschehen beobachtet hatten, schritt niemand ein, so heißt es. Den Mädchen blieb also nur die Flucht zur Polizei – und dort hätten sie „so sehr geweint, dass sie zunächst gar nicht den Sachverhalt schildern konnten“, so Sprecher Stephan Klatte.
Auch wenn die Polizei nun wegen „gefährlicher Körperverletzung“ ermittelt, war ein Arztbesuch tatsächlich nicht erforderlich. „Gefährlich“ bedeutet in diesem Fall auch den gemeinschaftlichen Angriff mehrerer Personen. Die Eltern sind mittlerweile involviert, die Schule ebenso.
„Wenn auf dem Schulweg etwas passiert, dann sind wir auch dafür mitverantwortlich“, so Schulleiter Reinhard Lobmeyer, der den Vorfall nun prüft. Die tatverdächtigen Schülerinnen mussten bereits einen Bericht über ihre Sicht der Dinge schreiben, die beiden Schwestern werden es ebenso tun. Danach – und den Ermittlungen der Polizei – werde überlegt, wie damit umzugehen ist. Ist ein Ausgleich nötig? Gibt es schulgesetzliche Möglichkeiten der Einflussnahme? Sind andere Erziehungsmittel anzuwenden? Das wird sich alles nach vollständiger Klärung der Auseinandersetzung zeigen. Vorrangig sei, dass sich die Lage nun wieder beruhige: „Jeder soll sich wohl und sicher fühlen – auch wenn Spannungen bestehen“, so Lobmeyer.
Die Schule beschäftigt einen Sozialpädagogen, hat regelmäßig Sprechzeiten der Polizei vor Ort, bietet Mediationen und Sozialtrainings an. Missstimmungen kommen hier demnach durchaus bei den verantwortlichen Kräften an, außerhalb des Schulgeländes gibt es aber nur wenig Zugriff. Deshalb bemüht man sich hier um Prävention, gibt „Hilfestellungen“ auch in Sachen Zivilcourage. Dies kann allerdings nur eigenen Schülern nähergebracht werden.
