• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

„Patienten fühlen sich oft hilflos“

14.09.2016
Frage: Herr Wüst, Ihre Stelle wurde als Konsequenz aus der Mordserie des Pflegers Niels Högel geschaffen. Gab es bereits erste Berührungspunkte, haben sich Hinterbliebene an Sie gewandt?
Wüst: Nein. Ich hatte in den ersten Wochen mit der Mordserie nichts zu tun, obwohl mich Betroffene durchaus anrufen könnten. Bisher melden sich Patienten aus ganz anderen Anlässen.
Frage: Beispiele?
Wüst: Die Bandbreite reicht vom Vorwurf der Vergiftung durch Medikamente, was nicht stimmte, bis hin zu den verschiedensten Ängsten und ganz berührenden Hilferufen. So rief mich eine Frau an, weil sich die Kasse weigerte, nicht anerkannte Medikamente für ihren schwer krebskranken Mann zu zahlen. Ich konnte vermitteln. Rund 50 Anfragen gab es bisher.
Frage: Wo vermuten Sie die Schwerpunkte Ihrer Tätigkeit?
Wüst: Sicher gehören dazu die Bereiche Fehldiagnosen, Kostenübernahmen und Missstände an Kliniken. Aber auch das gehört dazu: Kürzlich schickte mir eine Frau ein Tagebuch, das Protokoll einer Odyssee ihres schwerkranken Mannes durch Kliniken und Pflegeheime. Sie hatte Schuldgefühle, dass sie etwas falsch entscheiden könnte.
Frage: Patienten fühlen sich oft hilflos – und sollen dennoch entscheiden über angebotene Eingriffe?
Wüst: Ja, die Frage der Hilflosigkeit wird angesichts der zunehmenden Alterung der Bevölkerung an Bedeutung zunehmen. Patienten sind manchmal schlicht überfordert. Für sie sind die etwa 160 Patientenfürsprecher an Niedersachsens Kliniken künftige Ansprechpartner.
Frage: Auf welche Missstände sind Sie gestoßen worden?
Wüst: Ein Dauerthema: zu wenig Zeit für die Patienten! Das Personal in Krankenhäusern ist knapp, besonders bei Pflegekräften. Weiteres Thema: Ausschluss von Psychiatrie-Behandlungen.
Frage: Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Wüst: Im Moment läuft der Aufbau eines Netzwerks von Patientenfürsprechern. Wir sind auf einem guten Weg. Ich plane etwa Regionalkonferenzen in den Grenzen der früheren Regierungsbezirke, damit der Austausch möglichst eng wird. Und natürlich wird es einen jährlichen Bericht des Patientenbeauftragten an den Landtag geben. Mein großes Ziel: Rechtzeitig eine Fehler-Systematik zu erkennen.
Frage: Rein hypothetisch: Hätte man mit einem solchen System Niels Högel früher stoppen können?
Wüst: Die Landesregierung hat ein umfangreiches Maßnahmenpaket eingeleitet, das dazu dient, eine solche Mordserie zu verhindern. Die Patientenfürsprecher sind hierbei ein wesentlicher Baustein. Ich bin zuversichtlich, dass zukünftig vergleichbare Täter früher gestoppt werden.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.