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Ansprechpersonen für LSBTIQ So will die Polizei Betroffene von Straftaten zur Anzeige ermutigen

Sind für queere Personen im Nordwesten ansprechbar: Angela Waschull (links) und Julian Stricker.

Sind für queere Personen im Nordwesten ansprechbar: Angela Waschull (links) und Julian Stricker.

Polizei

Im Nordwesten - Julian Stricker und Angela Waschull sind Ansprechpersonen (AP) für Lesben, Schwule sowie Trans-, Inter- und Queer-Personen (LGBTIQ). Als AP für LSBTIQ beraten sie nicht nur betroffene Bürger, die Opfer von Straftaten geworden sind, sie schulen und beraten auch die internen Polizeistrukturen im Bereich der Polizeidirektion (PD) Oldenburg. Denn: „Bis 1994 wurde Homosexualität gesetzlich verfolgt. Aus dieser Zeit wirken noch manche Vorurteile gegen LGBTIQ, unter Polizisten sowie in der allgemeinen Gesellschaft“, erläutert der Polizeikommissar im Ermittlungsdienst, Julian Stricker. Diese Vorurteile wollen die beiden AP abbauen.

So erreichen Sie die Ansprechpersonen

Die beiden Ansprechpersonen Julian Stricker und Angela Waschull erreichen Sie per E-Mail unter lsbtiq@pd-ol.polizei.niedersachsen.de.

Auf den sozialen Netzwerken Facebook und Instagram führt die Polizei Niedersachsen Accounts für die Ansprechpersonen im gesamten Bundesland. Über diese Accounts ist ein Einblick in die Arbeit der Berater und Beraterinnen möglich.

Moderne Polizei

Noch immer gebe es in der Bevölkerung Vorurteile gegenüber der Polizei. Dabei sei ein antiquiertes Denken über Vielfalt und Diversität bei den Beamten längst überholt. Diesen Standpunkt vertritt auch die Leiterin des Personaldezernats der PD Oldenburg, Gerke Stüven-Knak: „Wir haben im Bereich der PD eine sehr moderne Polizei, die sich für Vielfalt und Diversität in der Gesellschaft einsetzt.“ Die beiden AP für LSBTIQ, Julian Stricker und Angela Waschull, seien dabei eine wichtige Säule.

Vielfalt bei der Polizei

Diversität sei für die Polizei mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil, betont Stefanie Köster, Dezernatsleiterin der Polizeidirektion (PD) Oldenburg.

An der Polizeiakademie Niedersachsen sind Menschen mit einem diversen Hintergrund ausdrücklich erwünscht, erklärt Ida-Sophie Bettray von der Personalplanung der PD Oldenburg: „Wir sind daran interessiert, die ganze Vielfältigkeit der Gesellschaft in der Polizei Niedersachsen abzubilden.“

Bewerbungen zum Studienstart ab April oder September 2024 sind möglich per E-Mail unter nachwuchswerbung@pd-ol.polizei.niedersachsen.de.

Laut der niedersachsenweiten Dienstvorschrift sei es, zur Freude aller niedersächsischen Polizeidirektionen, für Trans- und Inter-Personen seit dem ersten Januar 2021 offiziell möglich, bei der Polizei eingestellt zu werden, erklärt PD-Oldenburg-Sprecher Stephan Klatte. „Vorher lautete die Formulierung, dass Bewerber und Bewerberinnen eindeutig männliche oder weibliche Geschlechtsmerkmale aufweisen mussten“, erläutert Klatte.

Sichtbarkeit ausbauen

„Ich bin mit der Überzeugung Polizist geworden, dass niemand Opfer einer Straftat werden sollte, erst recht nicht aufgrund von Vorurteilen“, beschreibt Julian Stricker. Laut aktuellen Studien würden bis zu 90 Prozent der Beleidigungen oder gewalttätigen Angriffe gegen LSBTIQ-Personen nicht angezeigt, sagt Polizeikommissar Stricker: „Es ist unser Ziel, dieses Dunkelfeld sichtbar zu machen und Betroffene zur Anzeige zu ermutigen.“ Eines der Probleme: Insbesondere diese Community schrecke vor Anzeigen zurück: „Viele haben Angst, dass sie den Vorfall nicht beweisen können“, schildert er seine Beobachtung. Diese müssten aber überhaupt nicht von den Opfern erbracht werden, „dazu gibt es polizeiliche Ermittlungen“, betont Stricker.

Auch die Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Bestandteil: „Mit unserer Präsenz bekommt die Polizei ein Gesicht, dadurch können Hemmungen abgebaut werden“, ergänzt Angela Waschull. Nicht zuletzt helfe dies dabei, das Bild der „alten Polizei“ abzubauen, erklärt sie weiter. Um die Szene zu erreichen, stellten sich die Ansprechpersonen mit Infoständen auch auf Veranstaltungen wie dem Christopher-Street-Day vor.

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Interne Schulungen

Ihre Arbeit richte sich auch an die interne Polizeistruktur, wie Julian Stricker erklärt: „Wir beraten Kolleginnen und Kollegen und führen Schulungen an den einzelnen Polizeikommissariaten und Polizeistationen durch.“ Er selbst habe sich auf die Stelle als AP beworben, da er seinen Polizeikollegen dabei helfen möchte, einen sensiblen Umgang mit LSBTIQ-Personen zu entwickeln. „Wir haben aber auch ein offenes Ohr für betroffene Kolleginnen und Kollegen und sind Experten für Begrifflichkeiten“, fügt Angela Waschull hinzu.

Sensibilität und Expertise

Kommt es zu einer Anzeige, beginnt die Arbeit der AP. Ihre Unterstützung bieten sie, solange diese von den Betroffenen benötigt wird. „Manchmal sind das fünf Minuten, manchmal begleiten wir bis zum Prozess“, erklärt Stricker. „Wir sind unkompliziert ansprechbar, denn es ist uns besonders wichtig, die Betroffenen zu ermutigen. Das lässt sich ganz gut in Gesprächen umsetzen“, erläutert Angela Waschull.

Seit acht Jahren arbeitet sie als Beraterin bei der Regionalen Beratungsstelle der PD Oldenburg. Nach einem Studium der Psychologie hat sich in den Bereichen Stressbewältigung und Krisenintervention spezialisiert. „Da ich selbst in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung lebe, kenne ich die persönliche Ebene des Themas“, so Waschull. Dass das Team der AP aus einem Polizisten und einer Nicht-Polizistin zusammengesetzt ist, ist kein Zufall, erläutert Stefanie Köster, Dezernatsleiterin der PD Oldenburg: „Auch die Polizei profitiert von Vielfalt.“

Josepha Zastrow
Josepha Zastrow Thementeam Polizei/Justiz
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