Oldenburger Land - Ein kleiner Rempler, eine Umarmung, ein Schubs – und wenige Augenblicke später sind Telefon und Geldbörse weg. Was sich im Polizeikreisen „Trickdiebstahl unter Ausnutzung körperlicher Nähe“ nennt, ist den meisten wohl besser unter „antanzen“ bekannt.

Auch im Nordwesten sind immer wieder vereinzelt Fälle öffentlich geworden. Das Problem ist der Polizei im Oldenburger Land offenbar schon länger bekannt. Auf NWZ -Anfrage teilt die Polizeidirektion Oldenburg mit, dass sie „seit etwa 2014 eine deutliche Steigerung der insbesondere durch marokkanische und algerische Tatverdächtige begangenen Straftaten“ feststellt.

Wenngleich die Zahl der Tatverdächtigen aus Marokko und Algerien gemessen an der Gesamtzahl aller Tatverdächtigen gering ist (437 Taten von 106 948 Straftaten insgesamt im Jahr 2014), steigt die Anzahl der Delikte innerhalb der Tätergruppe massiv an. 230 Diebstahlsdelikte schreibt die Polizei algerischen und marokkanischen Tatverdächtigen 2014 zu. 2013 seien es noch 90 Taten gewesen. Die Zahl der Diebstähle ist demnach binnen eines Jahres auf das Zweieinhalbfache gestiegen.

Dabei handele es sich „überwiegend um Eigentumsdelikte in Form von einfachem und schwerem Diebstahl“. Die Diebe haben es auf Handys, Portemonnaies und Geld „im Zuge sogenannter Trickdiebstähle“ aus Jacken und Taschen abgesehen.

Polizeibeamte der Inspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland hätten schon „seit Ende 2013 häufiger“ solche Antanz-Diebstähle festgestellt. Vorwiegend handele es sich bei den Tätern um „Jugendliche und Heranwachsende“. Die Polizei widme dem „Antanzen“ daher „besondere Aufmerksamkeit“.

Unter anderem bedeute das: Nochmals verstärkte Präsenz in der Oldenburger Innenstadt. Auf den bekannten An- und Abfahrtswegen zu Diskotheken sollen „vermehrte Personenkontrollen“ stattfinden, potenzielle Opfer und die Öffentlichkeit sollen sensibilisiert werden.

Polizeipräsident Johann Kühme hält „ nachhaltige strafrechtliche Konsequenzen“ für wichtig, warnt jedoch davor, „nicht die Gesamtheit aller Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen“.

Von den 106 948 Straftaten im Jahr 2014 hat die Polizei 63 386 Fälle aufgeklärt.