Mühlen/Oldenburg - Die Prüfung des Falles durch die Staatsanwaltschaft Oldenburg dauerte nach dem NWZ-Bericht nur einen Tag. Jetzt ermittelt die Polizei in dem kleinen Ort Mühlen (Landkreis Vechta) wegen Mordes. Dort sollen nach Zeugenberichten vor genau 69 Jahren am vorletzten Kriegstag mehrere Zwangsarbeiter von Dorfbewohnern erschossen und in einem Wald verscharrt worden sein.
„Heute haben wir von Amts wegen ein Verfahren eingeleitet“, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft, Carolin Castagna, am Mittwoch der NWZ. Der Anfangsverdacht eines Mordes sei bejaht worden. Die Staatsanwaltschaft hat die Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta mit den Ermittlungen beauftragt. Die Polizei soll zunächst die Zeugen des Vorfalls am 7. Mai 1945 ausfindig machen und befragen. „Die Zeugenaussagen sind erstmal am wichtigsten“, sagte Castagna.
Möglicherweise wird die Polizei im Zuge der Ermittlungen auch nach den Leichen suchen, die im Ehrendorfer Wald vergraben sein sollen. Ein Zeuge meint, den Ort nahe einer Kiesgrube zu kennen.
Das Verfahren richtet sich gegen Unbekannt. Genauso wie die angeblich Getöteten unbekannt sind. „Wir wissen ja nicht, wie die Opfer heißen“, sagte Castagna.
Nach Berichten von Zeitzeugen sollen Dorfbewohner die russischen oder polnischen Zwangsarbeiter verfolgt und auf einem Acker auf sie geschossen haben. An der Jagd soll der Landwirt und Hauptmann der Wehrmacht, Franz Meyer, beteiligt gewesen sein. Meyer wurde am Abend des 7. Mai 1945 ermordet – angeblich von Zwangsarbeitern. Der genaue Ablauf der Ereignisse wird ermittelt.
