Prinzhöfte/Sethe - Für Motorradfahrer, das weiß Anwohner Gerd von Seggern, ist die K 286 im kurvigen Abschnitt Harpstedter Straße/Sether Mühle attraktiv. „Da legt man sich rein in die Kurve“, die Strecke „lädt ein zum Hahn-Aufdrehen“. Nur: Der Abschnitt sei gefährlich – aber es gebe kein Schild, das davor warnt.
Nach dem Unfall am vorigen Sonnabend, bei dem ein 22-jähriger Motorradfahrer aus Delmenhorst ums Leben kam, habe er manche Nacht schlecht geschlafen, sagte von Seggern. Er frage sich, ob er noch mehr hätte warnen müssen.
Den Verlauf der K 286 ab Havekoster Kreuzung beschreibt von Seggern, der mit seiner Familie seit 2004 in Meierhafe lebt, so: Nach einem geraden Stück macht die Straße eine leichte Linkskurve („die ist nicht ungefährlich“), führe dann abschüssig leicht nach links auf ein gerades Stück und danach auf eine scharfe Kurve mit bald 90 Grad („eine Hammerkurve“) zu.
Im Bereich der ersten, leichten Linkskurve haben sich laut von Seggern in den vergangenen Jahren mehrere Unfälle ereignet. 2014 sei ein Motorradfahrer, aus Richtung Havekoster Kreuzung kommend, bei einem Unfall verletzt worden, Teile seines Motorrads „flogen auf unsere Weide“. 2015 habe ein weiterer Motorradfahrer die leichte Kurve falsch eingeschätzt, er habe aber bei seinem Unfall Glück gehabt und sei nur leicht verletzt worden. Am 19. August 2016 sei es erneut zu einem schweren Unfall gekommen, da sei auch der Rettungshubschrauber gelandet.
Neben den Unfällen mit Motorrädern sei hier im Winter 2015 eine junge Fiesta-Fahrerin verunglückt.
Auch im Bereich der Fast-90-Grad-Kurve sei der Unfall vom vorigen Sonnabend kein Einzelfall, berichteten Anwohner Dhana und Werner Lange. Dort sei schon so manch einer mit dem Motorrad oder dem Pkw von der Straße gerutscht. Etwa drei- bis viermal pro Jahr passiere das, schätzte Werner Lange.
Überwiegend handele es sich dabei um Pkw-Unfälle. Oft werde im Kurvenbereich zu weit innen gefahren, da drehe das Heck weg. Manche Wagen würden auch auf der gegenüberliegenden Weide landen. Die Unfälle mit Pkw sind nach Langes Eindrücken in der Regel weniger folgenschwer als die mit Motorrädern.
Allerdings sei der kurvige Bereich nach den behördlichen Kriterien kein Unfallhäufungspunkt, weiß Gerd von Seggern. Denn nicht alle Unfälle seien so schlimm, dass die Polizei gerufen wird. Eine andere Sache sei die Gefährlichkeit.
Heike Lüning von der Unteren Verkehrsbehörde (Landkreis Oldenburg) bestätigte, dass der genannte Streckenabschnitt bislang nicht als Unfallhäufungsstelle aufgefallen sei. Die Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch, zuständig für Unfallgeschehen, analysiere jeden tödlichen Unfall. Danach werde geklärt, „ob es erforderlich ist, etwas zu unternehmen“.
