Puebla - Ich saßβ gerade in meinem Büro im Stadtteil Zavaleta (Puebla) und wollte noch ein paar Dinge erledigen, um in die Mittagspause zu gehen. Da fing es plötzlich an, kräftig zu schaukeln. Ich hörte nur noch, wie verschiedene Objekte aus dem Regal fielen. Viel Zeit zum Überlegen war da eigentlich nicht, instinktiv schloss ich mich meinen Kollegen an, um gemeinsam aus dem Gebäude zu evakuieren.

Beim Evakuieren kam ich mir vor wie auf einem Schiff bei starkem Seegang, gerade die letzten Treppenstufen, mein Büro liegt im 2. Stock, bewältigte ich mit zitternden Knien. Draußβen am zentralen Evakuierungspunkt angekommen, sah ich dann die Auswirkungen des Erdbebens. Ein paar Scheiben des Gebäudes sind durch den ausgelösten Druck zersprungen.

In dem Moment gingen mir viele Dinge durch den Kopf. Ich dachte an meine Frau, die wenige Kilometer von mir entfernt arbeitete, Freunde und Familienangehörige. Noch beunruhigender war der konsekutive Ausfall des Handyempfangs. Jedoch war es möglich, nach einigen Minuten What’s App-Nachrichten zu verschicken.

Ich war beruhigt, als meine Frau mir schrieb, dass sie ebenfalls unverletzt geblieben war. Ich fuhr dann direkt zu unserem Haus, da ich ein mulmiges Gefühl hatte. Zum Glück ist aber noch alles stehengeblieben. Nur ein paar Bilderrahmen konnten dem Beben nicht mehr standhalten und waren zu Boden gefallen.

Erst ein paar Stunden später erfuhr ich von den weiteren Auswirkungen in Puebla und Umgebung und auch in anderen Städten Mexikos. Gerade noch eine Woche vor dem Beben war ich beruflich in Mexiko-Stadt. Ich lebe seit fast acht Jahren in Puebla und habe schon drei Erdbeben miterlebt. Das Ereignis vom Dienstag war jedoch mit Abstand das erschreckendste.

Die momentan wahrnehmbare Trauerstimmung in Mexiko wird begleitet von Solidarität und Hilfsbereitschaft.

Es ist erstaunlich zu sehen, wie viele Freiwillige bei den Aufräumarbeiten helfen und wie hoch die Bereitschaft zum Spenden von Geld und Sachgütern für die Opfer in Mexiko ist.