• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Verbrechen: Rätsel um verschwundene Millionärin

24.11.2016

Leer /Bingum /Hamburg Wie der Tatort eines furchtbaren Verbrechens sieht das Haus am Bingumer Deich zunächst nicht aus. Weiß getünchte Fassade, grüne Fensterrahmen, rotes Ziegeldach. Ein Schild mit der Aufschrift „Café“ schaukelt im Wind. Drinnen hängen Mäntel an der Garderobe. Doch Besucher kommen schon länger nicht mehr.

Die Türen des Gebäudes sind versiegelt, mit gelbem Klebeband. Auf der Treppe liegen Blumen, stehen Kerzen.

Gerda Basse ist hier getötet worden. Davon ist die Polizei überzeugt. Vor einigen Wochen. In ihrem eigenen Galerie-Café.

Dr. Gerda Basse, Millionärin aus Leer, promovierte Physikerin, selbstständige Umweltberaterin, Galeristin. 66 Jahre alt, 1,70 Meter groß, mittellanges, graues Haar, Brillenträgerin.

Es gibt einen Tatverdächtigen, ein halbes Geständnis, aber keine Leiche. Der Fall ist mysteriös. Einiges weiß man, vieles nicht. Es wird wild spekuliert, vor allem im Internet.

Warum wurde Gerda Basse getötet? Wo ist die Leiche?

Blutspuren gefunden

In Bingum, einem kleinen Stadtteil von Leer jenseits der Ems, werden die Menschen eher wortkarg, wenn man sie auf Gerda Basse anspricht. „Ich kannte sie kaum, nur vom Sehen“, erklärt eine Nachbarin des Cafés. „Ich sage lieber nichts, es wird ja schon so viel geschrieben“, meint eine andere. Keine Auskunft in der Bäckerei gegenüber. Schweigen beim Floristen. Der Schock über eine unfassbare Tat?

Am 1. November geht bei der Polizei eine Vermisstenanzeige ein. Aus dem „nahen Umfeld der Vermissten“, wie es heißt. Weil Gerda Basse am 26. Oktober nicht zu einem Termin in Hamburg erschienen ist. Weil sie seitdem nicht mehr gesehen wurde.

Nur zwei Tage später dürften die Ermittler von einem Kapitalverbrechen überzeugt gewesen sein.

Basses Auto, ein grauer Jaguar, wird am 3. Oktober in Hamburg gefunden. Ordentlich geparkt an der Keplerstraße im Stadtteil Ottensen. Mit Blutspuren. Auch im Café in Bingum sichert die Polizei Blutspuren. Und vermutlich Fingerabdrücke.

Die Suche beginnt: nach dem Opfer, nach dem Täter. Zunächst in Bingum, mit Feuerwehr, Hubschrauber, Tauchern. Der Deich und die Ems sind nicht weit.

Die Spekulationen beginnen, vor allem über das mögliche Motiv.

Gerda Basse war eine ungewöhnliche Frau, eine schillernde Persönlichkeit. Nach dem Physikstudium ging sie zum TÜV Norddeutschland, war dort für die Überprüfung von Atomkraftwerken zuständig, kontrollierte den Bau des AKW Brokdorf.

Gerda Basse lebte alleine. Keine Kinder. Sie soll verheiratet gewesen sein. Ein Bruder wohne in Hamburg, heißt es.

Gerda Basse war in Ostfriesland bekannt wie der sprichwörtliche bunte Hund, aber offenbar nicht überall beliebt. „Sie meinte, dass sie mit ihrem Geld Leer beherrschen konnte“, erzählt eine Kritikerin vom jahrelangen Kampf um das Kulturzentrum „Zollhaus“ in Leer, das die Millionärin in den 1990er Jahren unbedingt kaufen will. Ein Mix aus Gastronomie, Büros und Kultur schwebt Basse damals für das große Lagerhaus vor. Doch Stadt und Zollhausverein lehnen das Angebot ab. Basse gibt jahrelang nicht auf, macht weitere Angebote, ohne Erfolg.

Auch in Hamburg blitzt sie zunächst ab – beim spektakulären Versuch, die „Rote Flora“ zu übernehmen. Links, revolutionär, krawallig: wohl das berühmteste soziokulturelle Zentrum in Deutschland. „Die haben wenigstens Ideale“, sagt Basse 2001 dem „Hamburger Abendblatt“. Doch es gibt offenbar großen Widerstand in der „Roten Flora“ gegen einen Verkauf an Basse. Den Zuschlag bekommt ein anderer Bieter.

Handel mit Immobilien

Ein Jahr später kauft Gerda Basse zusammen mit ihrem Geschäftspartner, einem Hamburger Sport-Promotor und Immobilienmakler, eine alte Fabrikhalle. In Ottensen, in der Keplerstraße, wo sie ein Penthouse hat, eine Galerie betreibt. Auf mehr als 1000 Quadratmetern soll sich hier eine Künstler-Hochburg entwickeln. 14 Jahre später steht die Halle wieder zum Verkauf: für fast 2,8 Millionen Euro.

Hat das Verschwinden von Gerda Basse mit ihren Immobiliengeschäften zu tun? Wurde sie entführt?

Die Polizei durchkämmt das Rheiderland. Ein Gasthaus in Jemgum gehört Gerda Basse, bei Midlum werden Reifenspuren des Jaguars gefunden. Die Ermittler suchen in einem Waldstück in Emden-Larrelt nach der Millionärin, verhören die Mieter der „Villa Basse“ in Leer.

Das Gebäude ist alt, die Front mit Rhododendron überwuchert, die Treppe hinten mit Efeu. Im Garten stehen Skulpturen. Vor der Tür liegt eine angewelkte Rose. „Gerda, wo Du auch bist, Du bist nicht allein. Unsere Gedanken sind bei Dir“, steht auf der Karte daran. Gegenüber eine Tankstelle, ein Reifenhandel.

Gerda Basse hat hier gewohnt, war aber nicht häufig da, wie Nachbarn sagen, hat hier Zimmer und Ferienwohnungen vermietet. Manchmal an „Gestrandete“ oder „zwielichtige Gestalten“, erzählt eine Bekannte.

Wie Christian I.? 55 Jahre alt, Musikproduzent, geboren in Bochum, wohnt auf Ibiza. Laut Polizei erst am 6. Oktober in die „Villa Basse“ eingezogen. Sein Verhältnis zu Gerda Basse? Mieter, mehr ist nicht bekannt.

Christian I., gegen den es einen Haftbefehl wegen einer Geldschuld geben soll, gerät offenbar schnell ins Visier der Fahnder. Am 11. November gegen 19.15 Uhr wird er von der Polizei in Leer vorläufig festgenommen. Einen Tag später erlässt das Amtsgericht Leer Haftbefehl.

„Der Beschuldigte räumte in einer Vernehmung ein, den Leichnam von Frau Dr. Basse am 26. Oktober transportiert und versteckt zu haben“, erklärt die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Aurich, Katja Paulke, am 14. November. Mit dem Jaguar des Opfers. „Eine Tötungsabsicht stritt er ab“, sagt Paulke.

An der A1 versteckt?

„Er will die Leiche dann an der A1 zwischen Bremen und Hamburg an einem Waldrand unter Reisig versteckt haben“, erklärt Werner Brandt, Leiter der Mordkommission „Villa“ bei der Polizeiinspektion Leer/Emden.

Seitdem sucht die Polizei zwischen Ems und Elbe nach der Leiche. Mal in den waldreicheren Gebieten an der A1 kurz vor Hamburg, dann wieder verstärkt in Emden.

Der Fall bleibt weiter rätselhaft. Warum nur ein halbes Geständnis des Tatverdächtigen? Warum versteckt Christian I. Gerda Basse, wenn er sie sie nicht getötet hat?

Und wieder die Frage nach dem Motiv. Ging es um Geld? War es ein Unfall?

Gewissheit könnte der Fund der Leiche bringen – traurige Gewissheit.

Der Blaulichtblog für den Nordwesten

Marco Seng Redakteur / Reportage-Redaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2008
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.