Bad Zwischenahn/Im Nordwesten - Im Kampf gegen Raser hat in Niedersachsen am Donnerstagmorgen um 6 Uhr ein weiterer Blitzermarathon der Polizei begonnen, der bis Freitagmorgen um 6 Uhr andauerte. An 499 Messstellen quer durch das Land sind 24 Stunden lang 770 Beamte im Einsatz – unter ihnen auch Boris Rickmann. Der Polizeioberkommissar hat am Donnerstag auf der Elmendorfer Straße in Bad Zwischenahn in Höhe des Parks der Gärten ein Lasergerät zur Tempokontrolle bedient. Auf der viel befahrenen Straße wird laut Polizei häufig gerast – nicht aber am Donnerstagmittag. „Das mit dem Blitzmarathon hat sich wohl rumgesprochen“, meint Rickmann. Und das sollte es auch, denn der Polizei geht es nach eigenen Angaben nicht um Abzocke, sondern darum, die Verkehrsteilnehmer auf die Gefahren der Raserei aufmerksam zu machen.

Nach Angaben von Bastian Wollering von der Pressestelle der Polizeidirektion Oldenburg lag die Beanstandungsquote bei vorangegangen Aktionen bei gerade einmal drei Prozent – diesmal könnte die Raserquote nach einer ersten Einschätzung der Polizeidirektion Oldenburg sogar noch geringer ausfallen. „Die Aktion zeigt Wirkung“, ist Wollering überzeugt.

Die Kontrollen sind Teil einer bundesweiten Aktion. Raser sind für den Großteil der steigenden Zahl schwerer Unfälle verantwortlich. Schwere Verkehrsunfälle haben in Niedersachsen im ersten Halbjahr 2014 stark zugenommen. Die Zahl der Verkehrstoten erhöhte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 23 Prozent auf 200, die Zahl der Schwerverletzten um 17 Prozent auf 3039. Die Zahl der tödlichen Unfälle, bei denen Autofahrer gegen einen Baum rasten und starben, legte sogar um 49 Prozent zu. Der Anstieg fiel in Niedersachsen kräftiger aus als im Bundesdurchschnitt.

Die Gewerkschaft der Polizei kritisierte die Aktion wegen des hohen Personalaufwands. Aufgrund der Kontrollen müssten andere Aufgaben zurückstehen. Dieter Buskohl, Vizepräsident der Polizeidirektion Oldenburg, verteidigte unterdessen, dass alleine in seinem Zuständigkeitsbereich etwa 200 Mitarbeiter 24 Stunden lang Raser ins Visier nahmen. „Es kann gar nicht genügend Aktionen geben, um die Verkehrsteilnehmer für das Gefahrenfeld zu hohe Geschwindigkeit zu sensibilisieren“, betonte Buskohl gegenüber dieser Zeitung.