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Problematische Computerspiele Zocken im Retro-Look – Wie Rechtsextreme ihre Ideologie an Jugendliche vermitteln

In einer bunten 2D-Spielewelt mit einer 16-Bit-Pixel-Grafik wird beim Computerspiel „The Great Rebellion“ mit unterschiedlichen Waffen auf Gegner geschossen. Der Nachfolger des indizierten „Heimat Defender: Rebellion“ ist am 1. Februar erschienen.

In einer bunten 2D-Spielewelt mit einer 16-Bit-Pixel-Grafik wird beim Computerspiel „The Great Rebellion“ mit unterschiedlichen Waffen auf Gegner geschossen. Der Nachfolger des indizierten „Heimat Defender: Rebellion“ ist am 1. Februar erschienen.

Kvltgame

Im Nordwesten/Vechta - Mithilfe von Computerspielen versuchen Rechtsextreme verstärkt, Jugendliche mit ihrer Ideologie in Kontakt zu bringen. Davor hatte zuletzt der Erziehungswissenschaftler Benjamin Möbus von der Universität Vechta gewarnt und Bezug auf das indizierte Computerspiel „Heimat Defender: Rebellion“ genommen, welches nach Aussagen der Entwickler eigens für propagandistische Zwecke der rechtsextremen Identitären Bewegung entwickelt wurde. Am 1. Februar ist der Nachfolger „The Grand Rebellion“ erschienen und wird über die Spiele-Plattform „Steam“ vertrieben. Unsere Redaktion hat sich die Spiele und die Verantwortlichen genauer angeschaut.

Ein Forscher warnt vor dem Computerspiel „Heimat Defender“ der Identitären Bewegung (Symbolbild)

„HEIMAT DEFENDER“ Forscher aus Vechta warnt vor Computerspiel der Identitären Bewegung

Stefan Fuhr
Vechta

„The Grand Rebellion“

Bei „The Grand Rebellion“ handelt es sich wie beim Vorgänger um ein 2D-Jump’n’Run-Computerspiel mit einer pixeligen 16-Bit-Grafik. Es spielt sich ein wenig wie ein „Super Mario“ mit Waffen und sieht auch ähnlich aus. Die bunte Spielwelt wird laut Beschreibung „von technokratischen Eliten kontrolliert, die nach digitaler Unsterblichkeit streben und ihre menschlichen Körper transzendieren wollen“. Dazu zählt unter anderem eine offensichtlich an Bill Gates angelehnte Spielfigur. Diese stellt eine Gottesanbeterin mit dem Gesicht des Multimilliardärs dar, die Impfspritzen als Waffen benutzt. Laut der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) liegen bisher keine Anträge oder Anregungen auf Indizierung zu „The Great Rebellion“ vor.

Eine Spielszene im offiziellen Trailer von „The Great Rebellion“ zeigt eine offensichtlich an Bill Gates angelehnte Spielfigur. Bild: Screenshot

Eine Spielszene im offiziellen Trailer von „The Great Rebellion“ zeigt eine offensichtlich an Bill Gates angelehnte Spielfigur. Bild: Screenshot

„Heimat Defender: Rebellion“

Das Spiel „Heimat Defender: Rebellion“ wurde nach Angaben der Entwickler Zehntausende Male heruntergeladen. Es sei auch nach der Indizierung auf eigenen Servern in Russland, Asien und der Schweiz kostenlos zum Download verfügbar. Bis heute lässt es sich über eine deutschsprachige Website mit einem Klick herunterladen. Spielbare Figuren sind unter anderem der Rechtsextreme Martin Sellner und der rechtsextreme Verleger Götz Kubitschek.

Auf Anfrage teilt die BzKJ mit, dass das Videospiel indiziert wurde, weil davon „eine verrohende Wirkung“ ausgehe. Zudem diskriminierten Darstellungen darin queere Menschen. In der Spielwelt gibt es rassistische Elemente – so wird die Tötung des Schwarzen George Floyd durch einen Polizisten verhöhnt. Die Gegner im Spiel tragen unter anderem Regenbogenflaggen. Außerdem können an reale Personen angelegte „böse“ Figuren getötet werden – darunter die ZDF-Satiriker Oliver Welke und Jan Böhmermann oder Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Verein „Ein Prozent“

Ermöglicht und vertrieben wurde das Spiel „Heimat Defender: Rebellion“ durch den rechtsextremen Verein „Ein Prozent“. Diesen sieht das Bundesamt für Verfassungsschutz als Teil der sogenannten „Neuen Rechten“, zu der auch die Identitäre Bewegung und das rechtsextreme Magazin „Compact“ gehören. Die Ansichten des Vereins sind laut den Verfassungsschützern nicht mit dem Grundgesetz vereinbar: „Die vertretenen und propagierten Positionen beinhalten nachweislich völkisch-nationalistische Ideologeme, sind migranten-, fremden- und muslimfeindlich sowie rassistisch.“

Entwicklerstudio „Kvltgame“

Das Entwicklerstudio „Kvltgame“, von dem beide Spiele programmiert worden sind, ist nach eigenen Angaben „nach Maßstäben der Mainstreammedien selbstverständlich eine rechtsradikale Spieleschmiede, welche sich auf die Erstellung und den Vertrieb von Computerspielen mit politisch inkorrektem Inhalt spezialisiert hat“. Es ist aus dem rechtsextremen Künstlerkollektiv „Kvltgang“ hervorgegangen, das vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Chefentwickler Roland Moritz ist nach eigenen Angaben nicht mehr bei der Identitären Bewegung aktiv, er gilt aber als bestens vernetzt. Finanziert wird „Kvltgame“ durch Spenden und Sponsoren. Dazu zählt mindestens ein AfD-Bundestagsabgeordneter, wie die Entwickler bestätigen.

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