Markhausen/Thüle - Als sich Heinz Meyer (68) aus Markhausen am Morgen des 13. November 1972 auf den Weg zur Arbeit machte, wehte bereits ein kräftiger Wind. Der damals 28-jährige Maler und Lackierer war bei einer Fachfirma in Markhausen beschäftigt. An diesem Montag fuhr er zunächst mit zwei Kollegen nach Friesoythe, um ein repariertes Fahrzeug seiner Firma aus einer Autowerkstatt abzuholen.

Dann machten sich die Maler aus Markhausen mit ihrem Kleintransporter auf der Bundesstraße 72 in Richtung Cloppenburg auf den Weg, während der Wind zum Sturm mutierte. In Vordersten-Thüle endete die Fahrt zur Arbeitsstelle schon nach wenigen Kilometern, erinnert sich Heinz Meyer 40 Jahre später: „Schon in Höhe des Soeste-Heimes fielen die ersten großen Tannen um.“ Dann war Schluss.

Heinz Meyer: „Mehrere dicke Eichen waren entwurzelt und blockierten die komplette Bundesstraße. Mitarbeiter der Straßenmeisterei waren schon damit beschäftigt, die Bäume zu zersägen.“ Wenige Meter vor dem Transporter der Maler hatte bereits ein VW-Käfer gehalten. Darin saßen der Altenoyther Fahrlehrer Julius Kock (62) und drei seiner Fahrschüler.

Als Heinz Meyer den Bulli an den linken Straßenrand lenkte, weil die am rechten Rand im Sturm schaukelnden Bäume zu bedrohlich wirkten, stürzte plötzlich eine Eiche mit einem Stammdurchmesser von gut einem Meter auf das Auto der Fahrschule. Heinz Meyer: „Der Baum drückte das Auto total ein.“ Mit einem Hammer aus seiner Werkzeugkiste schlug Meyer die Heckscheibe des Käfers ein. So konnten die Maler und die Männer der Straßenmeisterei die beiden Fahrschüler vom Rücksitz befreien. Sie waren unverletzt. Für den Fahrlehrer auf dem Beifahrersitz kam allerdings jede Hilfe zu spät. Er war auf der Stelle getötet worden.

Die Befreiung der hinter dem Lenkrad sitzenden Fahrschülerin aus Friesoythe gestaltete sich schwierig. Mit einer Eisensäge aus der Werkzeugkiste konnte Meyer die Holme des Autos durchsägen. Heinz Meyer: „So konnten wir das Dach des Autos wegklappen und die Frau aus dem Wrack ziehen.“ Ein Anwohner habe die schwer verletzte Friesoytherin dann mit seinem Auto über Feldwege und Nebenstraßen zum Friesoyther Krankenhaus gefahren.

In der ganzen Situation haben sich Heinz Meyer und seine Kollegen in akuter Lebensgefahr befunden, weil an der B 72 immer mehr Bäume umstürzten. Das wurde ihnen aber erst später richtig bewusst, sagt der Markhauser heute. Meyer: „Uns ging es nur darum, die Leute aus dem zerstörten Auto zu holen.“