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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Krankenpfleger-Prozess: Richter fordert Niels H. zum Geständnis auf

28.11.2014

Oldenburg Dem mutmaßlichen Klinik-Mörder von Delmenhorst droht bei einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen zweifachen Mordes und dreifachen Mordversuchs. Das deutete der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann am Donnerstag beim Prozess gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels H. vor dem Landgericht Oldenburg an. Bührmann sprach von einer besonderen Schwere der Schuld, sollten sich die Vorwürfe gegen Niels H. im weiteren Verlauf des Prozesses bestätigen.

Mit Blick auf weitere vermutliche Mordfälle in den Kliniken Delmenhorst und Oldenburg, forderte der Vorsitzende Richter den Ex-Krankenpfleger zu einem umfassenden Geständnis auf. „Wenn es etwas zu gestehen gibt, dann gestehen Sie nicht nur fünf Taten“, sagte Bührmann. „Geben Sie uns das Gefühl, dass wir Licht am Ende des Tunnels sehen.“ Die Gefahr, nie mehr aus dem Gefängnis herauszukommen, sei bei ungeklärten Taten viel höher.

Es herrsche eine große Unsicherheit in der Bundesrepublik Deutschland, erklärte Bührmann. „Nur Sie können sagen, was gewesen ist.“ Der Angeklagte schweigt bislang.

Bührmann machte deutlich, dass die bisher verbüßte Haftstrafe des Ex-Pflegers von fünf Jahren und acht Monaten wegen eines Mordversuchs im Klinikum Delmenhorst bei der Strafe angerechnet würde. Ebenso wie mögliche Ermittlungspannen bei der Aufklärung der Taten. „Wir haben aus dem Ermittlungsakten durchaus Hinweise, dass das Ermittlungsverfahren verzögert wurde“, kritisierte der Vorsitzende Richter.

Das Gericht hatte den Angeklagten wegen eines Mordversuchs an einem Patienten auf der Delmenhorster Intensivstation bereits 2008 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er sitzt in Oldenburg in Haft. Der 37-Jährige hatte dem Mann eine Überdosis eines Herzmedikaments gespritzt. Inzwischen kommen immer mehr Verdachtsfälle hinzu. Die Polizei prüft allein an der Klinik Delmenhorst den Tod von 174 Patienten. Dazu kommen Fälle an seinen früheren Arbeitsstätten in Oldenburg, Wilhelmshaven und bei den Rettungssanitätern, für die er in seiner Freizeit fuhr.

Am Donnerstag wurden im Prozess unter anderem zwei Psychologinnen als Zeugen gehört. Sie beurteilten Niels H. völlig unterschiedlich: Der 37-Jährige leide an einer Persönlichkeitsstörung, sagte die Gefängnis-Psychologin. Die andere Psychologin, die den Mann einige Jahre zuvor begutachtet hatte, sieht dagegen keine Persönlichkeitsstörung vorliegen.

Beide Psychologinnen sagten vor Gericht aus, dass der Pfleger einen ausgeprägten Geltungsdrang gehabt habe und dass er die Patienten nicht mehr als Menschen gesehen habe. Das Opfer im ersten Prozess habe er als „vergammelte Hülle“ bezeichnet, sagte die Psychologin, die ihn wegen einer möglichen Vollzugslockerung untersucht hatte. „Der Patient war für ihn ein Objekt.“ Er habe Notfälle provoziert, um mit dem Gefühl nach Hause gehen zu können, ein toller Krankenpfleger gewesen zu sein.

„Es mussten ganz viel Blut, ganz viel Piepen und viele Leute drum herum sein“, sagte die Anstaltspsychologin, die den ehemaligen Pfleger seit 2011 betreut. „Nur durch diese Bewunderung hat er sich gespürt.“ Er habe immer besser sein wollen, als die anderen Pflegekräfte. Er habe viel zu viel gearbeitet, viel Alkohol und Tabletten genommen, um abschalten zu können. Weitere Taten habe er in den Gesprächen mit ihr nie direkt zugegeben – eher „durch die Blume“, sagte sie. „Mein Verständnis war immer, dass es noch weitere Fälle gibt.“

Eine große Mordserie bestreitet der Angeklagte nach Aussage der Gefängnispsychologin. „Er hat gesagt, er wäre doch nicht der größte Massenmörder.“ Dass die Polizei nun so viele Fälle untersuche, habe er als Wahnsinn bezeichnet. Andere Häftlinge hatten vor Gericht dagegen ausgesagt, er habe im Gefängnis mit seinen Taten geprahlt - bei 50 Opfern solle er angeblich aufgehört haben zu zählen. Die Richter wollten am Nachmittag eine erste Bewertung des Verfahrens abgeben.

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Unterdessen hat die Nebenanklage ihre Kritik an den Ermittlungsbehörden erneuert. Der Staatsanwaltschaft Oldenburg seien alle Informationen und Zeugenaussagen bereits seit Jahren bekannt gewesen – aber niemand habe „die notwendigen Entscheidungen“ getroffen, sagte Nebenkläger Christian Marbach der NWZ .

Marbach begrüßte ausdrücklich die interne Prüfung des Klinikums Oldenburg, die jüngst dazu geführt hat, dass zwölf weitere mutmaßliche Opfer von Niels H. identifiziert werden konnten. Dieses Ergebnis bestätige aber lediglich „die zahlreichen bereits seit 2008 gerichtlich bekannten konkreten Zeugenhinweise auf Vorfälle am Klinikum Oldenburg“. Die Staatsanwaltschaft müsse sich fragen lassen, „ob sie zukünftig auch agieren oder weiterhin nur reagieren will“, so Marbach.

Am Mittwoch hatte die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren in den eigenen Reihen angekündigt: Es soll geklärt werden, ob zwei damals zuständigen Sachbearbeitern Versäumnisse vorzuwerfen seien.

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