Hannover/Oldenburg - War Oldenburg nur zufällig das Reiseziel? Oder steckt mehr dahinter? Der Fund einer Bombenattrappe am Dienstagabend gegen 21 Uhr in einem Intercity von Hannover über Bremen und Oldenburg nach Emden sorgt auch am Mittwoch für viel Wirbel. Die Umstände heizen Spekulationen an. Mit der Analyse von Videoaufzeichnungen will die Bundespolizei dem verschwunden Unbekannten auf die Spur kommen. „Derzeit läuft die Auswertung mehrerer Kameras am Bahnhof“, sagt ein Sprecher.

Ein Reisender bemerkte das Paket, als der Unbekannte aussteigen wollte, und machte den Mann auf das „vergessene“ Gepäckstück aufmerksam, das dieser in der Ablage verstaut hatte. Statt einer Antwort flüchtete der Rätselhafte nur und verließ den Zug. Der Reisende schlug Alarm.

Zu Recht. Ein eingesetzter Sprengstoff-Hund schlug tatsächlich an. „Wir haben den Hauptbahnhof für anderthalb Stunden komplett abgesperrt“, berichtet später der Chef der Bundespolizei in Hannover, Thomas Osterroth.

Bomben-Entschärfer untersuchen den auffälligen Jutebeutel. Sie finden beim Röntgen diverse elektronische Bauteile. Die vermutete Bombe wird mittels Wasserstrahlroboter „gesprengt“. Nach Auskunft der Bundespolizei handelte es sich zwar nicht um eine scharfe Bombe, aber um eine gut gemachte Sprengstoff-Attrappe.

Nur Stunden später die nächste Aufregung: Im Hauptbahnhof wird am Mittwochmittag der Schließfachbereich abgesperrt. Die Lage sei nach einer ersten Einschätzung der Polizei nicht gefährlich, werde aber noch überprüft, erklärt ein Sprecher der Bundespolizei kurz darauf. Ein Mann hatte in einem anonymen Telefonanruf über die „Notrufnummer“ der Landespolizei behauptet, ein Gegenstand im Hauptbahnhof „könne hochgehen“. Der Anrufer wurde noch im Bahnhof gestellt, bestätigt später Bundespolizeichef Osterroth. Der Anrufer ist bekannt, er soll psychische Probleme haben. Sicherheitshalber wird der gesamte Schließfachbereich überprüft.

Auf solche Trittbrettfahrer muss sich Hannover noch weiter einstellen. Die Polizei wird mit sorgenvollen Anrufen und Hinweisen regelrecht bombardiert. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius spricht von einer „Wucht von Meldungen und Drohungen – gerade nach Paris“. Das wird wohl noch andauern.