Sage - 0.13 Uhr am Donnerstag: Bei Eckhard Poppe und seinen Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Sage wird Alarm ausgelöst. Austritt von CO-Gas steht auf dem Melder. „Wir sind mit 13 Einsatzkräften und zwei Fahrzeugen zur Pfadfinderbildungsstätte ausgerückt“, sagt der stellvertretende Ortsbrandmeister Poppe.
Viele Rettungskräfte
Als sie an der nicht weit vom Feuerwehrhaus entfernten Sandhopskämpe eintreffen, sehen sie das Großaufgebot an Einsatzkräften: Rettungsdienst und Polizei sind schon mit mehreren Fahrzeugen dort. Sie sind kurz vor Mitternacht alarmiert worden. „Einem Mädchen ging es nicht gut, so dass wir den Notruf gewählt haben“, erklärt Sandra Seemann, hauptamtliche Mitarbeiterin des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP). Die Zehnjährige habe schon vorher geklagt, als die 50 Pfadfinder den letzten Abend des Zeltlagers am Feuer in der Jurte verbracht hätten.
Erfahrenes Team
„Zwischendurch hat das Mädchen schon mit einem Gruppenleiter die Jurte verlassen, um frische Luft zu schnappen und zu reden“, berichtet Seemann. Die 28-Jährige ist eine von fünf erwachsenen Teamleitern des Zeltlagers. „Wir haben ein erfahrenes Team, das weiß, wie mit einem Lagerfeuer in einer Jurte umzugehen ist“, erklärt sie zum Verdacht einer eventuellen Rauchgasvergiftung.
Zum Zeltlager gehören noch 15 Gruppenleiter im Alter von 14 bis 18 Jahren sowie 30 Kinder zwischen zehn und 13 Jahren. Das Zeltlager trägt den Titel „Die flotte Woche“. An den sechs Tagen lernen die Kinder aus Oldenburg, Cloppenburg, Jaderberg, Essen, Reekenfeld, Idafehn und Hannover Grundfertigkeiten der Pfadfinder. Dazu gehört unter anderem ein Zelt aufbauen, Knotenkunde, ein Lagerfeuer entzünden und daran zu kochen. „Die Woche war anstrengend für die Kinder“, meint Seemann. „Das konnte man ihnen in der Jurte anmerken.“ Das sei nicht verwunderlich. Am Tag zuvor habe die 24-Stunden-Wanderung auf dem Programm gestanden.
Wegen der niedrigen Temperaturen übernachten die Kinder die ganze Woche über in der Pfadfinderbildungsstätte statt in den Zelten. Kurz vor Mitternacht meldet sich das Kind erneut bei einem Gruppenleiter, weil ihm übel sei. „Deshalb haben wir den Notarzt gerufen“, so Seemann. Als sie dem Rettungsdienst die Situation schildert, kommt der Verdacht einer Rauchgasvergiftung auf. Nach einer Befragung der anderen Kinder klagen weitere Mädchen und Jungen über Kopf- und Bauchschmerzen. „Sechs Kinder sind in Begleitung von Gruppenleitern in Krankenhäuser gebracht worden. Sie konnten sie aber schon bald wieder verlassen“, berichtet Seemann.
Das Team der Feuerwehr misst derweil unter Einsatz von Atemschutz den Kohlenmonoxidgehalt in der Jurte. „Wir konnten mit unseren Geräten kein giftiges Rauchgas feststellen“, so Poppe. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Sie teilt mit, dass das Zelt oberhalb der Feuerstelle über einen Abzug für Rauchgase verfügt.
