SALZGITTER - Nach dem Missbrauchsgeständnis eines Pfarrers aus Salzgitter prüft die Polizei, ob sich der 46-Jährige über die drei eingeräumten Fälle hinaus an Kindern vergangen hat. Dazu werden unter anderem beschlagnahmte Unterlagen zu Jugendreisen ausgewertet, teilte die Polizei mit.
Der seit Sonnabend in U-Haft sitzende Pfarrer hatte regelmäßig Jugendfreizeiten organisiert. Die Ermittler richten sich auf wochenlange Detailarbeit ein. Ein erneutes Verhör des Priesters sei zunächst nicht geplant.
Wieder aufgerollt werden soll auch der Fall eines jungen Mannes, der sich 2007 im Pfarrhaus erschossen hatte. Familiäre Probleme galten damals als Ursache, nun soll die Missbrauchsproblematik geprüft werden.
Das NDR-Fernsehmagazin „Hallo Niedersachsen“ berichtete am Dienstag, dass das Bistum Hildesheim noch Ende Juni dem Pfarrer unter Androhung disziplinarischer Schritte erneut verboten hatte, Kontakt zu einem bestimmten Minderjährigen aufzunehmen. Dieses Verbot hatte der Priester in der Vergangenheit nicht eingehalten.
Der Fall ist nach Ansicht des Kriminologen Christian Pfeiffer möglicherweise untypisch. Es könne sich hier um einen Mann mit echten pädophilen Neigungen handeln, sagte der Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.
Das Bistum Hildesheim möchte auf die betroffene Kirchengemeinde in Salzgitter zugehen: Am Dienstagabend wurde Weihbischof Heinz-Günter Bongartz zu einem Gespräch mit dem Pfarrgemeinderat erwartet.
Die Missbrauchsopfer-Organisation „Eckiger Tisch“ hat unterdessen die Ernennung des Jesuitenpaters Theo Schneider zum Leiter der Göttinger Jesuitenkommunität scharf kritisiert. Der vormalige Rektor des tief in einen Missbrauchsskandal verstrickten Aloisius-Kollegs in Bad Godesberg habe zu den ihm bekannten Verfehlungen eines Kollegen geschwiegen und so minderjährige Schutzbefohlene im Stich gelassen, heißt es in einer Mitteilung des „Eckigen Tisches“.
