Sande/Wilhelmshaven - Die Bahnstrecke Oldenburg-Wilhelmshaven und die Umfahrung Sande sind im Zeitplan und dürften für den Güterverkehr termingerecht fertig werden – das ist die gute Nachricht.
Aber: „Für Fahrgäste, Berufspendler und Touristen auf dieser Strecke sind die Baumaßnahmen mit Ersatzbussen, Ausfällen und erheblichen Verspätungen mit Anschlussverlust von Zügen auf der RE 18/19 und RB 59 aber weiterhin das große Ärgernis. Man steigt wieder auf das Auto um, fährt bis Oldenburg oder meidet die umweltfreundliche Bahn komplett“, sagt Hans-Joachim Zschiesche Regionalvorsitzender Ems-Jade des Fahrgastverbands Pro Bahn.
Zu diesem Ärgernis komme noch die Weigerung der Deutschen Bahn, den Neubau des Mittelbahnsteigs in Sande einzuplanen – und dadurch bleibt die Behinderung des Zugverkehrs auf der RB 59 von Sande nach Esens bestehen. „Auch durch eine künftig fehlende Weichenverbindung in der neuen Bahnumfahrung Sande zum Abzweig Weißen Floh“, sagt Zschiesche.
Der Regionalverband Ems-Jade von Pro Bahn läuft dagegen seit Jahren Sturm und versucht mit Hilfe der Politik, eine Verbesserung auch im Personenverkehr samt seiner Infrastruktur zu erreichen. Doch die Bahn bleibt stur.
Der Mittelbahnsteig Sande ist notwendig, fordert Pro Bahn: Wegen fehlender Infrastruktur behindern sich die Züge gegenseitig: RB 59 und RE 19 hätten gleichzeitig fahren können. Nur eine durchgehende Bahnsteigkante in Sande verschärft das Problem zusätzlich: RE 18 hätte nicht vor dem Einfahrtssignal, sondern am Bahnsteig warten können und gleich nach Aufnahme der Umsteiger abfahren können; RB 59 hätte nach einer Kurzwende direkt nach Wilhelmshaven ausfahren können. Fehlende Fahrgastinformation (optisch und akustisch): Es kommt immer wieder vor, dass Fahrgäste in die RE 18/19 Richtung Wilhelmshaven einsteigen im Glauben, es wäre der Zug nach Oldenburg. Die Anzeige am Zug wird kaum beachtet. Eine Ansage des einfahrenden Zuges könnte helfen, auch vernünftige Anzeige. Das Sichtfenster mit den Informationen zu Abfahrten auf dem Fahrscheinautomaten zeigt Werbeeinblendungen der Nordwest-Bahn. Will man sich eine Verspätungsinformation ansehen, gibt es eine längere Werbeeinblendung.
„Und zu allem Übel hat nun die Deutsche Bahn Station und Service AG (DB StuS AG), zuständig für Bahnsteige, such noch in Wilhelmshaven alle Bahnsteig-Lautsprecher entfernt. Weitere Stationen werden folgen“, kritisiert Pro Bahn: Damit gibt es keine Durchsagen am Bahnsteig für Fahrgäste mehr. „Das haben die vielen Fahrgäste am Tag der Niedersachsen in Wilhelmshaven bereits erfahren müssen: Die Fahrgastinformation per Laufband und die ,Blecherne Else‘ mit nur einem Lautsprecher sind die einzige Informationsquelle am Bahnsteig. Und die werden von den Fahrgästen kaum wahrgenommen.“
Was die Fahrgäste und besonders Berufspendler und Schüler nicht selten in der Region mit der Bahn erfahren müssen, schildert der stellvertretende Vorsitzende Jens-Uwe Carstens aus Varel: Er fuhr am Freitag, 28. Juni, nach der Arbeit von Wittmund nach Oldenburg.
Dauer-Verspätung
„RB 59 um 13.14 Uhr ab Wittmund hatte 10 Minuten Verspätung. Ankunft in Sande erst um 13.49 Uhr. Eigentlich wäre der Anschluss weg gewesen, aber der Zug um 13.46 Uhr ab Sande stand noch gut sichtbar vor dem Einfahrtssignal. Auf Gleis 3 stand RE 19 aus Bremen mit ca. 7 Minuten Verspätung. Sowohl der Zug nach Oldenburg, als auch der Zug aus Bremen konnten nicht in den Bahnhof Sande ein- bzw. ausfahren, da die einfahrende RB 59 sämtliche Gleise blockiert hat.
Aus der RB 59 strömten etliche Fahrgäste mit Gepäck und stiegen schnellen Schrittes in die auf Ausfahrt wartende RE 19 nach Wilhelmshaven ein – im Glauben, es sei bereits die RE 18 nach Osnabrück. Es hat dann ca. 2-3 Minuten gedauert, bis der Zugbegleiter alle Fahrgäste wieder aus dem Zug geholt und auf die kommende NWB in Richtung Oldenburg verwiesen hat.
Um 13.52 Uhr fuhr dann die RE 19 nach Wilhelmshaven aus. Die RE 18 in Richtung Oldenburg musste weiter vor dem Einfahrtssignal warten, denn als nächster Zug fuhr die verspätete RB 59 im Abstand zur RE 19 in Richtung Wilhelmshaven aus. Dann erst ließ der Fahrdienstleiter die RE 18 in Richtung Oldenburg in den Bahnhof Sande einfahren. Mit 10 Minuten Verspätung ging es dann um 13.56 Uhr endlich los.
Das hätte noch gereicht, um zumindest den RE 1 nach Hannover in Oldenburg zu erreichen. Vor dem Bahnhof Rastede gab er dann aber eine Wartezeit von ca. 5 Minuten, angeblich wegen einer Infrastrukturstörung (Baustelle in Richtung Oldenburg). Es folgte dort eine Kreuzung mit dem Freitags verkehrenden RE 18 um 14.06 Uhr ab Oldenburg, der ebenfalls wegen dieser Störung Verspätung hatte.
An dem Einfahrtssignal vor der Brücke am Pferdemarkt in Oldenburg gab es dann wieder eine Wartezeit um den eigentlichen Anschluss-IC um 14.33 Uhr in Richtung Leer noch in Augenschein zu nehmen, der pünktlich vorbeifuhr.
Um 14.36 Uhr war dann die Einfahrt in Oldenburg. Der RE 1 war natürlich ebenfalls pünktlich um 14.35 Uhr abgefahren und wurde somit nicht mehr erreicht.“
Diese Schilderung ist laut Vorsitzendem Hans-Joachim Zschiesche kein kein Einzelfall, „nur am Freitag konnte man dies mit allen Konsequenzen live erleben und einen Vorgeschmack für den künftigen Halbstunden-Takt bekommen.“
