Sandkrug - Im Ernstfall kann es auf jede Sekunde ankommen. Doch nicht immer sind gut informierte Angehörige da, wenn per Notruf alarmierte Rettungssanitäter eine Wohnung betreten. Damit sie dennoch sofort wichtige Informationen über den Patienten bekommen, gibt es die grün-weiße „Notfalldose“.
Sie wird in den Kühlschrank gestellt, und das aus gutem Grund. „Den Kühlschrank finden sie immer schnell. Bei Aktenordnern irgendwo in Schränken ist das ganz anders“, sagt Norbert Tenkhoff. Der Sandkruger Apotheker ist gleichzeitig auch Ortsbeauftragter der Malteser in Sandkrug und kennt deshalb diese Problematik besonders gut.
Die Entwickler der seit 2014 produzierten Notfalldose – Verkaufspreis bei der Fortuna-Apotheke 4,95 Euro – haben auch daran gedacht, wie die Rettungskräfte aufmerksam gemacht werden können. Käufer der kompakten Plastikdose erhalten Aufkleber, die innen an der Wohnungstür und am Kühlschrank angebracht werden sollen. Sie signalisieren etwaigen Rettungskräften, hier ist man für den Notfall vorbereitet.
Notfalldosen sind in der Gemeinde Hatten erhältlich bei der Fortuna-Apotheke, Bahnhofstraße 40 in Sandkrug, der Ansgari-Apotheke, Wildeshauser Straße 10 in Kirchhatten und auch die Flora-Apotheke, Bahnhofstr. 10 in Sandkrug, hat sie im Angebot.
Immer mehr leben allein
Die Informationen in der Notfalldose seien auch eine große Hilfe für Angehörige, Freunde und Bekannte, betont der Anbieter (Notfalldose.de). „Auch sie sind in einer Notfallsituation unter Stress und reagieren mitunter ganz unterschiedlich“, heißt es auf der Unternehmenshomepage. Ebenfalls nicht von der Hand zu weisen: Immer mehr Menschen leben allein oder in kleinen Haushalten. Laut Statistischem Bundesamt Wiesbaden dürfte die Zahl der Menschen, die in Ein- oder Zweipersonenhaushalten leben, von rund 45 Millionen im Jahr 2015 auf etwa 50 Millionen im Jahr 2035 zunehmen. „Knapp 26 Millionen von ihnen würden dann 60 Jahre oder älter sein. Das wären 5,5 Millionen mehr als im Jahr 2015 (20,5 Millionen 60-Jährige und Ältere)“, melden die Statistiker.
Was gehört nun in die Notfalldose, auch SOS-Dose genannt, hinein? Auf jeden Fall Medikamentenpläne, Informationen zu Medikamenten und bekannten Unverträglichkeiten sowie Vorerkrankungen – sie sollten notiert und in der Kunststoffdose verstaut werden. Manchmal sind Interessenten über die kompakten Ausmaße irritiert, erzählt Tenkhoff. „Patientenverfügungen und andere, größere Schriftsätze sollen da auch gar nicht rein. Da reicht ein Zettel, der genau beschreibt, wo sie zu finden sind“, sagt er. Auf die Notfalldose aufmerksam geworden ist er durch einen NWZ-Artikel, der von einer Kreissenioren- und Behindertenbeiratssitzung mit dem entsprechenden Thema berichtet hatte. Über seinen Großhändler orderte er danach spontan einige Exemplare. „Die Nachfrage ist gut“, sagt er.
Positive Entwicklung
Der Vorsitzende der Kreisseniorenvertretung und auch des entsprechenden Gremiums auf Gemeindeebene, Heinz Priesmeyer, kommt aus Hatterwüsting und begrüßt umso mehr, dass es die Notfalldose in der Kommune zu kaufen gibt. „Auf diese Weise können sich die Rettungskräfte schnell einen Überblick verschaffen und haben mehr Zeit für die Versorgung des Patienten“, so der Priesmeyer.
Wie eine Nachfrage der NWZ am Donnerstag ergab, sind die Notfalldosen auch in den anderen Apotheken der Gemeine erhältlich. „Wir sind über eine Kundin darauf aufmerksam geworden“, sagt Apotheker Michael Stegmann (Ansgari-Apotheke Kirchhatten). „Die Idee ist wirklich gut“, lautet sein Urteil.
