Scharrel - Noch immer fehlt jede Spur von Matthias Kruse aus Scharrel. Der 20-Jährige wird bereits seit Montag vermisst und von Freunden, DRK-Bereitschaften und Familienmitgliedern über das soziale Netzwerk Facebook gesucht. „Wir haben ein paar Hinweise bekommen, dass jemand ihn gesehen habe will, aber bislang nichts Konkretes“, sagte Mutter Ilse Kruse am Freitagvormittag im Gespräch mit der NWZ. Sie hat auch die Polizei informiert. Diese sieht bislang jedoch keinen Anlass, tätig zu werden. Dirk Wichmann von der Polizeiinspektion Cloppenburg/Vechta erklärt, warum.
Warum wird keine Suchaktion eingeleitet?
Die Polizei werde erst dann aktiv, wenn ein Hinweis auf ein Verbrechen oder auf Suizid vorliegen würde. Im Fall von Matthias Kruse sei beides nicht der Fall. Dennoch könne alles möglich sein: vom Gewaltverbrechen bis hin zu der Möglichkeit, dass der 20-Jährige „abgehauen“ ist und sich bewusst nicht meldet. „Er ist erwachsen. Wir können so nichts machen“, sagt Wichmann. Und als Erwachsener müsse er niemandem mitteilen, wo er sich aufhalte. Auch habe die Polizei keinerlei Hinweise auf sein Verbleiben. „Wo sollen wir anfangen und wo sollen wir aufhören zu suchen?“, so der Sprecher.
Wie sieht eine Suche bei Kindern aus?
Etwas anders gestaltet sich das Ganze bei Kindern. Bei vermissten Kleinkindern werde unverzüglich gehandelt. Aber auch hier müsse nach dem Einzelfall geschaut werden, sagt Wichmann. So spielten Alter und Gesundheitszustand eine Rolle.
Wie lange wird gesucht?
Dass die Polizei aktiv werde, wenn eine Person 24 Stunden vermisst wird, könne man nicht pauschal sagen. Auch dies sei vom Einzelfall abhängig. „Jeder Einzelfall muss neu bewertet werden“, sagt Wichmann. „Eine bestimmte Zeit gibt es nicht.“
Und auch wie lange die Polizei nach einer vermissten Person sucht, ist unterschiedlich. Eine große Rolle dabei spielt, ob es Hinweise zum Vermissten gibt und ob er auf dem Land oder in der Stadt vermisst wird. Bei einer Großstadt wie Berlin ist es schwierig. „Wo will man anfangen, wo aufhören zu suchen?“, so Wichmann.
Auch Witterung, Jahreszeit und Uhrzeit spielten bei der Suche eine Rolle. So müsse die Polizei zum Beispiel schauen, ob eine Suche überhaupt möglich ist, wenn es zu der Zeit bereits dunkel ist. Im Winter besteht die zusätzliche Gefahr, dass die vermisste Person draußen erfriert.
Wer zahlt eine Suchaktion?
Suchaktionen würden in der Regel durch die Bürger beziehungsweise aus der Staatskasse bezahlt werden, sagt Wichmann. Verschwindet jemand aber einfach so, löst dadurch eine Suchaktion aus, und kehrt dann wieder zurück, kann die Polizei ihm die Kosten dafür in Rechnung stellen.
Wie hoch die Kosten für eine Suchaktion der Polizei sind, hängt davon ab, wie aufwendig sich diese gestaltet.
