SCHENEFELD/GANDERKESEE - Die Deutschen Meisterschaften der Vielseitigkeitsreiter sind von einem tödlichen Unfall überschattet worden. Die 32-Jährige Tina Richter-Vietor aus Ganderkesee (Kreis Oldenburg) stürzte am Sonnabend in Schenefeld bei Hamburg in einer Rahmenprüfung des Weltcupturniers mit ihrem neunjährigen Wallach Paulchen Panther so schwer, dass sie sich tödliche Verletzungen zuzog.
Die Reiterin war mit ihrem neun Jahre alten Wallach am zweiten Hindernis hängen geblieben, wurde aus dem Sattel katapultiert und stürzte unglücklich auf die andere Seite des Hindernisses. Die Reiterin wurde umgehend notärztlich versorgt, verstarb aber noch an der Unfallstelle.
Turnierarzt Dr. Johannes von Bodmann erklärte in einer ersten Stellungnahme unter Vorbehalt, dass der Verdacht eines Genickbruchs naheliege. Bei der ersten Untersuchung am Unfallort habe er auffällige Veränderungen an der Halswirbelsäule ertastet. Endgültige Klarheit werde jedoch erst die gerichtsmedizinische Obduktion ergeben. Die Organisatoren haben alles erdenklich Mögliche getan. Der Krankenwagen stand sofort bereit, die Ärzte waren schnell bei der Reiterin. Auch der Hubschrauber war unverzüglich vor Ort, sagte Melzer.
Der Unfall überraschte umso mehr, da Tina Richter-Vietor als erfahrene Reiterin galt, die mehrere Erfolge erringen konnte. Die 32-Jährige war amtierende deutsche Mannschaftsmeisterin und auch zweimal Dritte bei den Europameisterschaften der Jungen Reiter. Das zweite Hindernis im Gelände war ein realtiv niedriges und galt deshalb als nicht sonderlich gefährlich.
Team-Weltmeister Frank Ostholt (Warendorf) sprach von einem schrecklichen Vorfall. Der Ausnahme-Reiter steht den Angehörigen sehr nahe, zumal die Familie Vietor Mitbesitzer drei seiner Top-Pferde ist. Es ist schlimm. Die Familie hat so viel für unseren Sport getan. Ich habe bislang noch keine Gespräche geführt, doch ich hoffe, dass es so weitergeht wie bisher.
Eine Woche nach dem tödlichen Unfall einer 40 Jahre alten Vielseitigkeitsreiterin in Neu Wulmsdorf bei Harburg saß der Schock tief. Die Aktiven aus zehn Ländern entschieden, die Weltcupprüfung nicht fortzusetzen. Die deutsche Meisterschaft wurde annulliert.
"Unter diesen Umständen können wir nicht reiten. Wir wissen, dass das ein tragischer Unglücksfall war, aber aus Respekt vor unserer Kameradin können wir nicht antreten", sagte Peter Thomsen (Lindewitt/Flensburg). Er sprach aus, was die Mehrheit der Aktiven dachte. Kai Rüder (Fehmarn): "Unser Sport geht weiter, aber diesmal müssen wir Tina Richter-Vietor und ihren Angehörigen unseren Respekt erweisen." Bundestrainer Hans Melzer hatte schon vor der Entscheidung der Aktiven erklärt: "Was immer wir in Schenefeld beschließen, jeder muss wissen, was er für sich für richtig hält. Jede Entscheidung müssen wir respektieren."
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