SCHILLIG - Das am Freitag veröffentlichte Bild des Schilliger Findelkinds Johannes hat nicht nur Zeugen mobilisiert, sondern auch interessierte Pflegefamilien. „Wir hatten Anfragen aus ganz Deutschland“, berichtete Kreis-Sprecher Rainer Graalfs auf Anfrage der NWZ . Es seien auch einige „dubiose Anfragen“ unter den Anrufen gewesen. In diesem Fall habe die Kreisverwaltung umgehend die Polizei informiert.
Die ist am Freitag bereits mehreren Hinweisen nachgegangen, eine „heiße Spur“, die zur Mutter des Findelkinds führen könnte, war allerdings bisher noch nicht dabei, so der Sprecher der Polizei-Inspektion Wilhelmshaven-Friesland-Wittmund, Klaus-Rüdiger Harms.
Auch in der Schilliger Geschäftswelt hat das Findelkind große Anteilnahme ausgelöst. Die Mitglieder der Interessengemeinschaft Schillig hatten spontan 500 Euro für die Erstausstattung des Babys gespendet. weitere Spenden seien bereits eingegangen, teilte der Vorsitzende Alfred Bruns mit. „Wir denken zudem über eine Patenschaft nach, um das Kind auch künftig zu unterstützen“, so Bruns.
Johannes, der am Mittwoch kurz nach seiner Geburt hinter der ev.-luth. St.-Nikolai-Kirche in Schillig ausgesetzt wurde, geht es gesundheitlich gut. Inzwischen ist er auch formal ein Staatsbürger. Das Jugendamt des Landkreises Friesland hat die vorläufige Vormundschaft beantragt, das Standesamt der Gemeinde Wangerland ist für die Geburtsurkunde zuständig. Dort wird Johannes zunächst auch als Name stehen. Später entscheiden die Pflege- oder Adoptiveltern, wie das Kind endgültig heißen wird.
Johannes wird noch mehrere Tage in der Kinderklinik des Reinhard-Nieter-Krankenhauses bleiben. Der Landkreis sucht unterdessen nach einer passenden Pflegefamilie. Wichtig sei, eine Pflegefamilie zu finden, die bereit sei, das Kind möglicherweise später auch zu adoptieren.
Ähnlich war der Landkreis beim Findelkind „Pauline“ verfahren, das am 26. Juli 2003 in einem Strandkorb auf Wangerooge gefunden worden war. Auch „Pauline“ kam zunächst in eine Pflegefamilie. Diese Familie aus Friesland hat das Mädchen inzwischen adoptiert. region, s. 11/12
