SCHLUTTER/HOLZKAMP - „Der Regen kam fast waagerecht“, beschreiben Anwohner die Szenen vom Sonntagabend. Nach wenigen Minuten war alles vorbei.
Von Hergen Schelling
SCHLUTTER/HOLZKAMP - Das Unheil kam als „weiße Wand“: So beschrieben mehrere Bewohner aus Schlutter und Holzkamp gestern den Gewittersturm, der am Sonntagabend über sie gekommen war und in einem auf wenige Kilometer begrenzten Streifen – ungefähr entlang der Schützenstraße zwischen Wiggersloher Straße und Schlutterbrink – schwere Verwüstungen anrichtete. Größere Gebäudeschäden hielten sich aber in Grenzen, weil die meisten der rund 30 umgestürzten Bäume auf freiem Feld vom Sturm entwurzelt wurden.Am schlimmsten getroffen wurde das Wohnhaus von Manfred Bode an der Schützenstraße: Eine Pappel im Garten kippte aufs Haus, Äste schlugen durchs Dach ins Obergeschoss – auf 35 000 bis 40 000 Euro wird der Schaden geschätzt. Bis Mitternacht waren die Feuerwehren aus Ganderkesee und Havekost damit beschäftigt, den Baum Stück für Stück vom Dach zu holen. Der Hauseigentümer selbst unterbrach sofort den Urlaub in Österreich und machte sich gestern Vormittag ein Bild von den Schäden.
Nachbarhäuser kamen glimpflicher davon, aber kaputte Scheiben oder fortgeblasene Dachziegel gab es an vielen Stellen. Arbeit wartet auch auf die Landwirte, auf deren Weiden Bäume umgestürzt sind. Südlich der Hoyersweger Straße lagen Eichen und Pappeln reihenweise flach. Hoyersweger Straße und Schlutterbrink waren bis gestern Mittag unpassierbar.
„Hier im Grabenbereich sind überwiegend Flachwurzler, die sind einfach so umgekippt“, sagt Hans-Günter Scheele, dessen Hofeinfahrt an der Hoyersweger Straße von einer imposanten Baumkrone versperrt ist. Ein paar hundert Meter weiter, an der Schützenstraße, hat Otto Stöver hingegen Glück gehabt: „Die Pappeln auf unserem Hof haben sich fast in die Waagerechte gebogen – sowas habe ich noch nicht gesehen“. Aber alle sind stehen geblieben. Nur Äste und jede Menge Laub prasselten auf den Hof.
„Der Regen kam fast waagerecht“, beschreibt Ewald Claußen das Unwetter, das am Sonntag kurz nach 20 Uhr von Süden Holzkamp und dann Schlutter erreichte. Die „weiße Wand“ sei nur etwa 100 bis 150 Meter breit gewesen und von Süden nach Norden gezogen. Nach etwa fünf Minuten war alles schon wieder vorbei.
Nicht für die Feuerwehren: Bis Mitternacht, berichtet Ganderkesees Ortsbrandmeister Rolf Meyer, waren 50 Einsatzkräfte und sieben Fahrzeuge mit der Beseitigung der Sturmschäden beschäftigt. An der Wiggersloher Straße waren auch noch Kameraden aus Harpstedt behilflich. Gestern übernahmen dann die Mitarbeiter des Bauhofes die Arbeit: Mit Motorsägen und schwerem Gerät räumten sie die Straßen wieder frei.
