Schwanewede - Sein Name ist auf keiner Karte vermerkt und selbst das Navi findet hier im Niemandsland zwischen Bremen und Niedersachsen keine Orientierung mehr. Und trotzdem wird derzeit kaum ein Ort im Nordosten so gut bewacht, wie der Tietjensee.

In den Schlickablagerungen auf dem Grund des Sees hoffen die Ermittler, die entscheidenden Beweise für einen Mordfall zu finden, der derzeit vor dem Bremer Landgericht verhandelt wird. Seit August muss sich dort ein 58-jähriger Mann wegen Mordes an seiner Lebensgefährtin verantworten. Das Problem: Die Tat geschah – wenn überhaupt – vor 25 Jahren, es gibt keine Leiche und der Mann bestreitet die Tat.

Alles, was die Staatsanwaltschaft bisher in Händen hat, ist der Umstand, dass die Frau seit 25 Jahren vermisst wird, Leichspürhunde am Wagen des Angeklagten anschlugen und eine Tüte mit persönlichen Gegenständen der Bremerin von einem Angler gefunden wurden. Beim Angeln im Tietjensee.

24 Jahre ist auch das nun schon her. Taucher durchsuchten damals den See, konnten aber in dem trüben Wasser kaum etwas sehen. Im Anbetracht des drohenden Freispruchs hat die Staatsanwaltschaft nun den letzten Rettungsring ergriffen und einen Durchsuchungsbeschluss für den See erwirkt. „Ein recht einmaliger Fall“, räumt auch Gunnar Isenberg, Sprecher des Landgerichtes, ein. Trotzdem habe das Gericht nicht gezögert und die Aktion ohne Rücksicht auf die Kosten genehmigt. „Wir sind es den Angehörigen schuldig“, sagt Isenberg.

Nachdem das THW in den vergangenen Tagen den See abgepumpt und ein Fischer die Tiere geborgen hatte, sollen nun „Experten aus dem Ausland“ den etwa 30 Zentimeter tiefen Schlick durchsuchen. Wer genau diese Experten sind, oder wie sie die Sedimente durchsuchen werden, will die Bremer Polizei aber nicht verraten. Überhaupt wird Geheimhaltung groß geschrieben. Der See ist inzwischen blickdicht umzäunt und Polizisten schieben rund um die Uhr Wache. Auf keinen Fall soll jetzt noch ein Beweis verloren gehen.