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NWZonline.de Region

Sechs Klinikmitarbeiter im Fall Niels Högel angeklagt

09.03.2017

Oldenburg /Delmenhorst Im Fall des Krankenhausmörders Niels Högel soll jetzt auch sechs Mitarbeiter des Klinikums Delmenhorst der Prozess gemacht werden: Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat Anklage gegen vier Pflegekräfte und zwei Oberärzte erhoben. Der Vorwurf: Totschlag durch Unterlassung. Die Mitarbeiter sollen Morde von Högel nicht verhindert haben, obwohl sie bereits einen dringenden Verdacht gegen den ehemaligen Pfleger hegten.

Lesen Sie alles zum Fall Niels Högel in unserem Spezial

Konkret geht es um die Zeit vom 22. Mai 2005 bis zum 24. Juni 2005, Högels letztem Arbeitstag in Delmenhorst. Die sechs Klinikmitarbeiter - ein heute 59 Jahre alter Pflegeleiter der Intensivstation, seine 56 und 60 Jahre alten Stellvertreterinnen, ein 47-jähriger Pfleger und zwei 58 und 67 Jahre alten Oberärzte - sollen trotz ihrer „Kenntnis von konkreten Vorfällen“ verabredet haben, die Behörden nicht einzuschalten, weil sie das Ansehen der Klinik nicht beschädigen wollten. In dieser Zeit des Stillhaltens soll es laut Anklage zu drei Tötungen und zwei Tötungsversuchen durch Högel gekommen sein.

Högel soll sogar noch an seinem letzten Arbeitstag, am 24. Juni 2005, eine Patientin getötet haben. Besonders brisant: Högel tötete Renate R. offenbar nicht mit dem Herzmedikament Gilurytmal, das er in den anderen Fällen als Mordwaffe einsetzte - diesmal verwendete er das Medikament „Sotalex“, einen Beta-Blocker. Das geschah zwei Tage, nachdem Högel von einer Kollegin auf frischer Tat ertappt worden war. „Sotalex“ kann bei falscher Dosierung ebenso wie Gilurytmal zu Herzkreislaufproblemen führen.

Wie die Polizei am Freitag mitteilte, sind die Ermittlungen der Soko „Kardio“ gegen Högel weitgehend abgeschlossen. Demnach gehen die Ermittler derzeit von 37 Taten Högels im Klinikum Delmenhorst aus. Insgesamt steht Högel in Verdacht, Dutzende Patienten getötet zu haben - nicht nur in Delmenhorst, sondern auch im Klinikum Oldenburg, wo er zuvor von 1999 bis 2001 tätig war.

Ein Sprecher von Opfer-Angehörigen, Christian Marbach aus Ganderkeese, forderte das Klinikum Delmenhorst auf, die betreffenden Mitarbeiter „mit sofortiger Wirkung von allen Aufgaben“ freizustellen. Als „umso widerlicher“ empfinde er heute die frühen Aussagen der Klinik-Leitung auf einer Pressekonferenz, dass man von einer Mitschuld des Klinikums“ nicht ausgehe. Als Sprecher des Hauses trat damals der Bremer Rechtsanwalt Erich Joester auf. Joesters Kanzlei vertritt jetzt angeklagte Ex-Mitarbeiter, was Marbach für „kritisch“ hält: „Das Klinikum Delmenhorst muss sich entscheiden, ob es weiter auf der Seite der Täter agieren möchte!“ Lob gibt es von Marbach unterdessen für die Arbeit der Soko „Kardio“.

Die Ermittler hatten rund 100 verstorbene Patienten ausgraben lassen, um ihre Todesursache zu untersuchen. In 29 Fällen konnten sie den Wirkstoff Ajmalin nachweisen, der auch im Herzmittel Gilurytmal enthalten ist. Die Ergebnisse von vier Exhumierungen stehen noch aus; die Patienten waren im Ausland bestattet worden. Zu den 29 nachgewiesenen Fällen kommen den Fall Renate R. und ein anderer Tötungsversuch, den Högel den Ermittlern gegenüber eingeräumt hat. Wegen sechs weiterer Taten ist der aus Wilhelmshaven stammende Ex-Pfleger bereits verurteilt worden. Zurzeit verbüßt er eine lebenslange Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Oldenburg.

Noch nicht abgeschlossen sind die Ermittlungen im Klinikum Oldenburg. Högel hat eingeräumt, auch hier Patienten getötet zu haben. Und auch hier stehen Mitarbeiter im Verdacht, sein Treiben nicht rechtzeitig gestoppt zu haben. Die Ermittlungen gegen drei Mitarbeiter laufen noch.

Karsten Krogmann
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2020
Marco Seng
Redakteur
Reportage-Redaktion
Tel:
0441 9988 2008

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