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Dlrg In Ganderkesee So sieht „Baywatch“ in Wirklichkeit aus

Ganderkesee - „Die DLRG – das sind die, die auch bei schlechtem Wetter ins Wasser gehen“, hieß es in den 70er-Jahren in Ganderkesee. Und tatsächlich: Um „Spaß-Schwimmer“ handelt es sich wahrlich nicht bei denjenigen, die alle Jahre wieder in ihrer Freizeit an den Badeseen, im Freibad und sogar an der Nordsee Dienst schieben, während andere in der Sonne planschen. Oder auch bei denen, die bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt unter Wasser nach Vermissten suchen. Bei den „Baywatch“-Stars sah das damals gemütlicher aus. . .

Und trotzdem sind die Aktiven der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) mit großer Leidenschaft bei der Sache – ehrenamtlich. Seit nunmehr 40 Jahren sind die Lebensretter, ganz offiziell, in Ganderkesee aktiv. Tatsächlich sogar schon etwas länger.

Mit neuem Bad geht’s los

Die Geschichte der Ortsgruppe begann mit der Eröffnung des Ganderkeseer Hallenbades 1974. Vorher waren viele Ganderkeseer zur Schwimmausbildung nach Delmenhorst gependelt und hatten sich der dortigen DLRG-Ortsgruppe angegliedert. Die nutzte aufgrund begrenzter Trainingsmöglichkeiten in der eigenen Stadt schließlich das neue Bad – die „DLRG-Ortsgruppe Delmenhorst – Stützpunkt Ganderkesee“ war geboren.

Letztere wurde irgendwann so groß, dass am 25. Februar 1977 die DLRG-Ortsgruppe Ganderkesee gegründet wurde. Das Gründungsgeschenk der Delmenhorster: Sie überließen den Ganderkeseern alle 214 Mitglieder aus dem Gemeindegebiet.

Die erste Vorstandssitzung fand im Keller von Familie Kubesch statt – eine von vielen Familien, die aus dem Vereinsleben der DLRG nicht wegzudenken ist. Gründungsvorsitzender wurde Franz Kubesch, dessen Sohn Sepp der Ortsgruppe von 1981 bis 2013 vorstand.

Tatkraft senkt Ausgaben

Mit 1000 DM Startkapital habe die Gemeinde damals die Gründung unterstützt, erinnert sich Sepp Kubesch. „Wir haben davon eine Beatmungspuppe, Flossen, Schwimmbretter und Tauchringe angeschafft.“ Die Mittel waren immer knapp bei der DLRG – was diese erfinderisch machte. Nicht nur wurden alle sich bietenden Gelegenheiten, etwa Flohmärkte, genutzt, um den Kassenbestand aufzubessern. Vor allem die Tatkraft und Eigeninitiative der Aktiven sparte in den vergangenen vier Jahrzehnten eine Menge Ausgaben. Mehrfach wurde beispielsweise das Vereinsheim in der alten Bookhorner Schule, das die Ortsgruppe seit 1978 nutzen darf, in Eigenregie umgebaut und erweitert.

Dort war auch der Schwimmverein Ganderkesee in der Anfangszeit untergebracht. „Seither haben wir einen guten Draht zueinander“, berichtet Kubesch, „Es gab nie eine Konkurrenz zwischen uns.“

Taucher immer rufbereit

Beschränkten sich die Aktivitäten in der Anfangszeit vor allem auf die Schwimmausbildung und den Wasserrettungsdienst im Freibad (ab 1977) sowie am Falkensteinsee (von 1981 bis 1991) und am Hohenbökener See (seit 1992), so wurde das Spektrum der Ortsgruppe Ende der 80er-Jahre entscheidend ausgebaut: 1990 war die Tauchergruppe der Ganderkeseer einsatzbereit – und ist es ohne Unterbrechung bis heute.

„Anfangs mussten wir noch mit unseren Privatautos zu Einsätzen fahren“, erinnert sich Heiko Girke, von Anfang an Mitglied der Einsatztauchergruppe und seit 2013 Vorsitzender der DLRG-Ortsgruppe. Erst zwei Jahre später bekamen die Taucher ihr erstes Einsatzfahrzeug mit Blaulicht und Funk – dessen Garage, bei der DLRG „Schneewittchensarg“ getauft, natürlich wieder mit Bordmitteln errichtet wurde.

Rund 50 Einsätze haben die Einsatztaucher laut Girke seither absolviert. Im Landkreis Oldenburg ist die aktuell fünfköpfige Gruppe einzigartig. Seit 2014 steht ihnen ein selbst umgebautes und technisch ausgerüstetes Aluminiumboot zur Verfügung. „Unter anderem bei unseren Hochwassereinsätzen hatten wir zuvor festgestellt, dass wir als Taucher ohne Boot stark eingeschränkt sind“, erinnert sich Heiko Girke.

Insgesamt gehören der DLRG-Ortsgruppe heute 430 Mitglieder an – etwa die Hälfte davon passiv. Wer in eine DLRG-Familie hineingeboren werde, sei zumeist von Anfang an Mitglied, berichten Kubesch und Girke. Von jeher engagieren sich komplette Familien als Ausbilder. Auch ein guter Teil der Freizeit, abseits des dienstäglichen Trainings, wird gemeinsam verbracht – etwa bei Ferienpassaktionen oder den Vorbereitungen auf den Fasching, an dem die DLRG seit ihrer Gründung teilnimmt, nicht zuletzt, um für den Verein zu werben.

Idealisten gesucht

Denn trotz der hohen Mitgliederzahl ist der Bedarf an Ehrenamtlichen derzeit nicht gedeckt. „Wir haben momentan etwa 20 Rettungsschwimmer“, berichtet Heiko Girke. „Es gab Zeiten, da waren es 35. Mit weniger Leuten ist die Belastung für jeden Einzelnen einfach zu groß.“ Auch die Tauchergruppe könne noch Verstärkung gebrauchen. Eine entscheidende Voraussetzung: „Man muss Idealist sein“, meint Sepp Kubesch.

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Karoline Schulz
Karoline Schulz Redaktion Ganderkesee
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