Ganderkesee/Buniadu - Die Situation, so schildert es Krankenschwester Heike Tautz, „war hochdramatisch“. Ein Zwillingspärchen war zum RDI-Gesundheitszentrum in Buniadu (Gambia, Westafrika) gebracht worden, „absolut untergewichtig“. Da sei es um Minuten gegangen. Ohne lange zu fackeln habe man die Liegen im Krankenwagen heruntergeklappt, mit Blaulicht wurden die beiden Kinder ins Krankenhaus in Essau gebracht. Dass sie überlebt haben, sei einer Spende aus Deutschland zu verdanken: dem Krankenwagen, der im Juni 2015 von Ganderkesee nach Gambia gebracht wurde. „Der hat hier schon einige Leben gerettet“, sagt die Krankenschwester.

Rückblick: Am 19. Juni 2015 hatten sich Tim Schwager (damals 30), Sören Scheer (29) und Annika Poetzsch (27) ab Hoyerswege auf die 6200 Kilometer lange Fahrt gemacht. Der Krankenwagen, Baujahr 1990, war von Uwe Schwager erworben und dann gespendet worden, die Hilfsgüter an Bord waren ebenfalls Spenden. Was folgte, war ein 16-tägiges Wagnis – teils über Huckelpisten, teils durch unwirtliches Gelände mit verminten Bermen, mit Pannen und auch vielen fremden Helfern.

„Nach aufwendigen Laufereien“, durch Bürokratie verursacht, habe man den Wagen am 15. Oktober nutzen können, erzählt Heike Tautz. „Am nächsten Tag war auch schon der erste Not-Einsatz.“

Seither seien mit dem Krankenwagen etwa sechs bis acht Einsätze pro Monat gefahren worden. Meistens gehe es dabei um Patienten, deren gesundheitlicher Zustand so schlecht sei, dass eine Behandlung nur in einem größeren Krankenhaus zu verantworten sei. „So gibt es Schwangerschaftskomplikationen, akute Herzprobleme, schwere Malaria, schweres akutes Asthma“ – oder schwere Unterernährung bei Kindern wie bei dem Zwillingspärchen vor drei Wochen.

„Große Aufregung“ habe es im Dezember gegeben, als ein Patient mit akuter Lungentuberkulose eingetroffen war. Der Mann und auch die Begleitpersonen im Krankenwagen „wurden mit Atemschutzmasken und Handschuhen ausgestattet“. Nachdem der Patient in ein spezielles Krankenhaus gekommen war, „musste der Krankenwagen desinfiziert werden, genauso wie alle Räume im Gesundheitszentrum.“ Tautz: „Zum Glück haben wir Fliesen.“