Im Nordwesten - Es ist vermutlich die Horrorvorstellung eines jeden Autofahrers. Nicht der Gedanke an einen Stau an sich, sondern an den Lkw-Fahrer, der das Stauende übersieht und mit seinem tonnenschweren Ungetüm ungebremst hineinrast. Die Wahrscheinlichkeit, dass Insassen des kleineren Fahrzeugs einen solchen Aufprall unverletzt überleben, geht gegen Null.Immer wieder ereignen sich auch auf den Straßen in der Region derart schwere Verkehrsunfälle, zuletzt Anfang Juni auf der Autobahn 1 nahe Wildeshausen. Damals verstarb der Fahrer eines Wohnmobils noch an der Unfallstelle.
Wie reduziere ich die Unfallgefahr am Stauende ?
Pressesprecher Nils Linge vom ADAC Weser-Ems rät allen Verkehrsteilnehmern, im Falle eines Staus so schnell wie möglich vor allem sichtbare Maßnahmen zu treffen. Dazu gehöre neben der klassischen Warnblinkanlage vor allem die Bildung der Rettungsgasse schon am Stauende. Die nachfolgenden Verkehrsteilnehmer müssen laut Linge nämlich deutlich erkennen, „dass sich vor mir etwas ändert“. Die Rettungsgasse, bei der sich Autofahrer unbedingt auf der linken oder mittleren Spur einordnen sollten, sei hierfür noch geeigneter als das blinkende Licht. Hupen nützt laut Linge eher wenig.
Welche Verantwortung haben die Lkw-Fahrer ?
Wenn ein Lkw-Fahrer trotz aller Warnsignale zu spät (oder gar nicht) bremst, sind die Autofahrer machtlos. Laut einer amtlichen Statistik aus dem Jahr 2019 waren Lkw und Busse in Deutschland an 24 Prozent der tödlichen Unfälle beteiligt, obwohl sie lediglich einen Anteil von rund zehn Prozent des Kraftfahrzeugbestands ausmachten. Deshalb mahnt der ADAC unter anderem zur strengen Einhaltung der EU-Richtlinie, die sicherheitsrelevante Fahrerassistenzsysteme verpflichtend vorschreibt. Die Fahrer sollten diese Technik in Form von Weiterbildungen über die Flottenbetreiber genau kennenlernen und während der Fahrt keinesfalls manuell abschalten.
Was macht die Autobahn GmbH für die Sicherheit ?
Häufig gerät der Verkehr vor und in Baustellen ins Stocken. Ein Sprecher der Autobahn GmbH verweist diesbezüglich auf festgelegte Regeln, die das Unternehmen bei der Einrichtung einer Baustelle einhalten muss, um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu erhöhen. Dazu gehören Stauwarnsysteme und Fahrbahn-Markierungen sowie frühzeitige Hinweise zur Geschwindigkeitsreduzierung und Messdisplays im Baustellenbereich.
Wie verhindere ich einen Stau im Baustellenbereich ?
Speziell während der Durchfahrt des Baustellenbereichs sollten Verkehrsteilnehmer nach Angaben der Autobahn GmbH die Geschwindigkeit angepasst verringern und ausreichenden Abstand zum Vorausfahrenden halten. Dies gelte insbesondere für den Fahrer des letzten Fahrzeugs, das sich der Baustelle oder dem Stau-Ende nähert.
Welche Rolle spielt die Vorbereitung ?
ADAC-Sprecher Linge ist eigenen Angaben zufolge immer wieder überrascht, wenn Autofahrer sagen, dass Staus für sie zum Urlaub gehören. Er fragt sich, warum sich die Menschen vor ihrer Reise nicht einfach am Laptop oder auf dem Smartphone über Baustellen und mögliche Staus informieren. Linge behauptet: „Jeder hat die Möglichkeit, nicht im Stau zu stehen.“
Was hilft bei quengelnden Kindern ?
Fragen wie „Papaaa, wann sind wir endlich da?“ oder „Mamaaa, wie lange dauert es noch?“ sind nach Einschätzung des ADAC-Sprechers deutlich seltener zu hören, wenn das Auto gar nicht erst zum Stillstand kommt. Es sei daher sinnvoll, Staus auch dann zu umfahren, wenn dies zu einer längeren Strecke führen sollte. Netter Nebeneffekt: Entlang der Bundes- oder Landstraßen verstecken sich häufig ohnehin die einladenderen Rastmöglichkeiten als neben den Autobahnen.
