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GELB-VORTRAG Tine pülsch und Gniddelsteiner

STEINHAUSEN - 150 Zuhörer kamen nach Steinhausen. Leckere Äpfel haben viele Freunde.

Von Kai Hippen

STEINHAUSEN - Pomologie, die Obstbaukunde, ist eine Wissenschaft für sich, kompliziert, mit ungeheuerer Tiefe, mit langer Geschichte. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden, und Eckart Brandt ist so einer. Äpfel sind seine Passion, die alten Sorten „Tine pülsch“, „Vaterland ping ping“, die Gniddelsteiner und Knebusch, Namen wie Äpfel ein Genuss. Brandt sammelt sie, pflanzt sie, beschreibt sie in Büchern, verkauft sie auf Wochenmärkten und hält darüber Vorträge. So am Dienstagabend in der „Altdeutschen Diele“ in Steinhausen. Rund 150 Naturfreunde waren auf Einladung des Gesprächskreises für gesunde Ernährung und Lebensführung in Bockhorn (GELB) gekommen.

Auf einem Resthof im Alten Land bei Hamburg wollte Brandt vor zwanzig Jahren als Quereinsteiger und Autodidakt „eine ganz andere Art von Obstbau machen“, ohne chemische Spritze. Das klappte nicht, seine Bäume verloren sogar ihre Blätter, „die Monokulturen hingen am Tropf der Biochemie“. Eine Alternative war Apfelsaft, und beim Sammeln für den Most brachten ihm die Nachbarn jede Menge alte Sorten, schön und ungespritzt. Das „Boomgarden-Projekt“ war geboren.

Heute pflegt Eckart Brandt auf seinen rund 20 Hektar mehr als 800 historisch-regionale Obstsorten. Wenn er von einem alten Apfelbaum hört, geht er hin und holt sich Reiser zur Vermehrung. Er sammelt alles über Äpfel, Bücher, Dokumente, er studiert in Universitäts-Bibliotheken, er diskutiert auf plattdeutsch mit den Bauernnachfahren auf dem Land.

So hat er sich ein wahres Füllhorn am Apfel-Geschichten zugelegt. Kleinkariert denkt er dabei nicht, dem Erwerbsobstbau, den Bio-Kollegen lässt er ihre Ansichten. „Golden Delicious“ bringe nun mal dank Intensiv-Pflege fabelhafte Erträge und der wirtschaftliche Druck sei enorm, in China würden gerade Millionen von Apfelbäumen gepflanzt. Und die Biobauern könnten Äpfel mit Schorfflecken nicht verkaufen, also setzen sie Schwefel ein. Aber gegen die unbarmherzige „Sortenbereinigung“ hat er was: „Sind wir in der Landwirtschaft nur noch unmündige Sklaven der Agrarindustrie?“ Noch 1942 habe es offiziell in der Gegend 190 Apfelsorten (und 90 verschiedene Birnen) gegeben, dann wurden Rodungsprämien verteilt, „damit der europäische Verbraucher überall die gleichen Äpfel in der selben Qualität essen kann.“ Da setzt Eckart Brandt doch lieber auf den „Finkenwerder Herbstprinz“.

Heftig sei er angefeindet worden für seinen pomologischen Sonderweg, heute noch müsse er sich auf den Wochenmärkten die Häme seiner Kollegen anhören, erzählte der Referent. Aber Eckart Brandt will nicht aufgeben, und jeder mit einem Stückchen Garten kann ihm helfen: „Drei Bäume sind auch schon was“, träumt er von Mosaikgärten voll alter Apfelsorten.

Exkursion

Der Gesprächskreis für gesunde Ernährung und Lebensweise

(GELB) lädt zu einer Exkursion in den „Boomgarden“ für Dienstag, 3. Oktober, 13 Uhr, ein, Treffpunkt für Fahrgemeinschaften ist der Bockhorner Marktplatz. Eckart Brandts Buch „Apfellust“ ist in „Müllers Buch- und Papierladen“ in Bockhorn, Lange Straße, zu haben.

Mehr Infos unter

www.boomgarden.de

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