Cuxhaven - Rettung zweier Männer von ihrem sinkenden 13-Meter-Kutter vor Fehmarn. Ein Feuer an Bord zerstört eine Segelyacht in der Hohwachter Bucht. Die Freiwilligen-Besatzung des Seenotrettungsbootes Heiligenhafen bringt den allein segelnden Skipper sicher an Land, sein Boot sinkt. Dramatisch auch die Situation in stürmischen Böen an Rügens Nordküste: Zwei unterkühlte Segler, deren acht Meter langes Boot kentert, werden gerettet. Die freiwilligen Seenotretter aus Travemünde nehmen drei Mädchen und zwei Jungen an Bord, die mit ihren Tretbooten 700 Meter vom Strand entfernt in einen Großschifffahrtsweg auf die offene Ostsee abgetrieben waren.

Die Seenotretter haben ein arbeitsreiches Jahr hinter sich: Die Einsatzkräfte der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) waren 2081 Mal im Einsatz, fast annähernd so oft wie 2012. Das sagte der neue Botschafter der Gesellschaft, der Sänger Klaus Lage, am Dienstag in Cuxhaven. „Die Zahlen beweisen umso mehr, welch wichtige Aufgabe die Seenotretter haben“, betont Lage, der seit drei Jahren bei seinen Konzerten Spenden für die Gesellschaft sammelt. Selbst in Seenot ist der 63-Jährige, der seit 2008 in Bremen lebt, jedoch noch nicht geraten, wie er in einem Interview mit dieser Zeitung sagt. „Nein, in echter Seenot war ich noch nicht. Aber am Nordkap auf einem Kreuzfahrtschiff gab es schon mal heftigere Wellen, so dass sich die Leute reihenweise übergeben mussten. Bislang habe ich selbst noch alles bei mir behalten. Ich war noch nie richtig seekrank. Ich hoffe, das bleibt auch so.“

Auf die Frage, warum er sich für die Seenotretter engagiere, antwortet der Musiker: „Ich finde es beeindruckend, dass es eine solche Organisation, ohne Subventionen und nur von Spenden finanziert, gibt. Dass Menschen Menschen helfen, halte ich für lobens- und unterstützenswert. Jeder ist gerne am Meer, und jeder kann mal in eine Gefahrensituation kommen. Außerdem bin ich mittlerweile in einem Alter, in dem man sich ehrenamtlich betätigen will.“ Er selbst sei kein Wassersportler, sondern Schwimmer. „Aber dabei kann man ja auch in Seenot geraten. Ich bin bislang immer nur als Mitfahrer auf Schiffen von Freunden dabei gewesen. Aber eigentlich war es immer mein Traum, ein eigenes Boot zu haben“, berichtet Lage.

Bereits seit einigen Jahren haben sich die Einsatzzahlen der Seenotretter auf über 2000 eingependelt. „Das ist ein hohes Niveau“, sagte DGzRS-Sprecher Christian Stipeldey. 2013 wurden insgesamt nur 718 Menschen aus einer Gefahrensituation befreit, deutlich weniger als 2012, als 1323 Menschen geholfen werden musste.

Hinter den Zahlen verbergen sich dramatische Situationen: Zum Beispiel die Not von zwei Wattwanderern, die vor Büsum unterwegs waren, vom auflaufenden Wasser überrascht wurden und dabei in Lebensgefahr gerieten. „Sie unterlagen dem fatalem Irrtum, einen Priel durchschwimmen zu können“, sagte Sprecher Stipeldey. Ganz schnell seien sie auseinander getrieben worden. „Sie hätten keine Chance gehabt, an Land zu kommen.“

Ebenfalls vom auflaufendem Wasser überrascht wurden drei Wissenschaftler vor der ostfriesischen Insel Borkum. Sie hatten dort Seegras kartiert. „Einer stand bereits mit der Hüfte im Wasser, ein anderer hatte sich auf eine künstliche Insel gerettet“, sagte Stipeldey. In Seenot geriet auch ein Fischer vor Fedderwardersiel. Das Netz seines kleinen Kutters hatte sich im flachen Wasser verhakt, das Schiff kenterte. „Der pitschnasse Mann saß auf seinem Ruderhaus und wartete auf Rettung“, sagte Stipeldey.

Die DGzRS feiert im nächsten Jahr ihren 150. Geburtstag. Höhepunkte der Feierlichkeiten werden ein Festakt im Bremer Rathaus am 29. Mai, dem Gründungstag der DGzRS, sowie eine sich anschließende Festwoche in Bremerhaven sein.

Im Zentrum stehen die Taufen der beiden neuen Rettungseinheiten. In Bremerhaven finden zeitgleich Konferenz und Kongress der International Maritime Rescue Federation (IMRF) statt. Dazu hat die DGzRS ihre ausländischen Schwesterorganisationen eingeladen. Neben einer Parade mit vielen Rettungseinheiten aus dem In- und Ausland auf der Weser vor Bremerhaven sind umfangreiche Besichtigungsmöglichkeiten dieser Schiffe und eine begleitende Fachmesse geplant. Auch ein Sonderpostwertzeichen soll herauskommen.