Früher wurde in verschiedenen Bereichen die Geschwindigkeitsbegrenzung mit großen Markierungen auf die Fahrbahn gemalt – viele Kommunen tun dies heute noch –, Reste davon sind noch auf einigen Straßen in Oldenburg zu sehen: Jedenfalls war dies meines Erachtens wirkungsvoller und billiger als die Erhöhung des Schilderwaldes.
Ja, ich bekenne, ich bin ein Raser, denn ich bin schon mindestens zweimal in 30er-Zonen mit 36 km/h geblitzt worden. Mein Problem: Ich versuche, mich vorsichtig durch den Verkehr zu bewegen, indem ich „vorsichtig“ – im Wortsinn also „vorausschauend“ – meine Aufmerksamkeit vor allem allen beweglichen Objekten im Verkehr widme.
Da kann mir dann schon einmal ein 30er-Schild, welches dort unauffällig im Schilderwald verharrt, durch die Lappen gehen, vor allem an einer Hauptverkehrsader. Ein Pappkamerad würde sicher viele Verkehrsteilnehmer erheblich besser als alles andere sachgerecht auf die potenzielle Gefahrenstelle aufmerksam machen und die Schüler schützen, besser auf jeden Fall als noch mehr Blitzerei.
Der innerstädtische Verkehr hat sich in den letzten Jahren extrem entschleunigt und unsere Straßen sind sehr viel sicherer geworden. Trotzdem wird gebetsmühlenartig immer mehr Aufsicht gefordert, im Wortsinn also die starre Sicht von oben.
Solange undifferenziert die polizeilich korrekte Unfallursache „nicht angepasste Geschwindigkeit“ immer wieder simpel mit „Raser“ übersetzt wird und jeder Autofahrer, der sich „vorsichtig“, aber entsprechend eben vielleicht auch professionell (...) zügig und elegant im Verkehr bewegt sofort als gesellschaftliches Übel bezeichnet werden darf, wird unsere Gesellschaft immer weiter in pauschalen Schuldzuweisungen und der postfaktischen Vereinfachung versinken, schade.
Es ist doch kein Wunder, dass die Schilder keinerlei Beachtung finden, egal, vor welcher Schule sie angebracht sind. Die pauschalen durchgehenden Zeitvorgaben sind doch absolut weltfremd.
Im übrigen sind die Bereiche, in denen das Tempolimit gilt, teilweise äußerst „bescheiden“ gewählt. Betrachtet man allein den Bereich an der Sandkruger Straße, so endet dort die Begrenzung kurz vor einer Bushaltestelle mit einer Fußgängerinsel, so dass ab dort, wo die Schüler die Straße tatsächlich überqueren, bereits wieder 50 km/h gefahren werden darf. Wie sinnlos erscheint dann das Tempolimit vor der Schule.
Die pauschale zeitliche Begrenzung von 7 bis 17 Uhr ist in vielen Fällen m.E. unbegründet, da die meisten Schulen (noch) keine Ganztagsschulen sind. Diese Zeiten sollten mindestens schulabhängig (Halbtags-/Ganztagsschule) geregelt sein.
Im Übrigen bin ich der Auffassung, dass keine Kontrollen stattfinden sollten. Dieses Geld für den zeitlichen Aufwand der Kontrollen (...) sollte in andere Systeme fließen, wie sie beispielsweise in den USA verwendet werden.
Dort werden die Autofahrer nur zur Geschwindigkeitsreduzierung aufgefordert, wenn ein gelbes Blinklicht auf die Nähe von Schülern zur Straße zu Unterrichtsbeginn und -ende hinweist. Die Steuerung kann automatisch zu den festen Zeiten als auch manuell durch Lehrkräfte/Hausmeister bei Bedarf erfolgen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Der Autofahrer hätte durch das Blinklicht ein zusätzliches Warnsignal, dass sich Kinder auf der Straße befinden könnten. (...)
Ich meine, die Überschrift des Artikels in der NWZ trifft nicht unbedingt zu, denn selbst im Beitrag und im Kommentar stellt die NWZ ja fest, dass die 30er-Schilder schlecht zu sehen sind bzw. nicht wahrgenommen werden. Dadurch wird unbewusst im gewohnten Tempo weiter durch die relativ kurze Strecke gefahren und der Fahrer erschrickt, wenn plötzlich das Schild „Ende 30“ auftaucht.
Man sollte – vor allem auf Hauptstraßen – auch auf den Verkehr/die Ampeln etc. achten, um nicht andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden. Kindergärten, Schulen, Seniorenheime usw. liegen oft weit ab von der Straße, der Fahrer rechnet also nicht unbedingt mit einer kurzen, unerwarteten 30er-Strecke.
Übrigens wird in „normalen“ 30-er-Zonen oft so schnell gefahren wie eben möglich, vor allen Dingen, wenn die Straßen gut (mit Parkbuchten) ausgebaut sind, auch an Kindergärten, Grundschulen ... vorbei.
Zeigen Sie mir eine 30er-Zone, die frei ist von Missachtung, Nötigung, Fluch und Ungeduld. Ich wüsste keine! 30er-Zonen sind ein rotes Tuch und können zum Kriegsgebiet werden, wo einem der Feind am Heck klebt. Macht- und Imponiergehabe (Frauen stehen da übrigens in nichts nach) gegen Gesetzestreue: Der Rückspiegel lässt einen ins wahre Gesicht egozentrischer Mitmenschen blicken. Geschwindigkeitsüberschreitungen in 30er-Zonen sind ein allgegenwärtiges Problem. Darum bitte: Gleiches Recht für alle und schärfere Kontrollen auch dort, wo keine Schule ist. Danke.
