THüLE - In entfernten Ortsteilen brennen Häuser nieder. Eine Nacht wird in

Deckung verbracht.

Von Gerhard Glup

THÜLE - Die Soeste, wegen ihres moorigen Flussbettes, ein für Panzer unpassierbares Hindernis, führte sehr wenig Wasser. Man hatte durch eine groß angelegte Sprengung an der Talsperre den Deich aufgerissen und dadurch das gesamte Soestetal überfluten wollen. Anstatt nun den Deich aufzureißen, wurde der Durchlass verschüttet und dadurch der Wasserzustrom aus der Talsperre unterbrochen. Die Brücke bei Göken fiel ebenfalls einer Sprengung zum Opfer, dagegen blieb die Brücke bei Roter in Vorderthüle durch ein Missverständnis in der Befehlsauffassung eines Sprengkommandos, erhalten.

Schon um 5 Uhr begegnete Vater auf dem westlichen Soesteufer einem Spähtrupp der Alliierten, der den Zustand der Brücke erkunden wollte. Gegen 9 Uhr am 13. April eröffneten Maschinengewehre am Horstberg das Feuer. Die Bevölkerung hatte die Wohnungen und Gehöfte größtenteils verlassen.

Die deutschen Soldaten, etwa 300 Mann von Thülsfelde bis Vorderthüle, hatten ihre Kampfstände bezogen. Mit einigen Panzerfäusten und Handfeuerwaffen, wollten die den Kampf gegen große Übermacht aufnehmen. Gegen 11 Uhr setzte sich die Schießerei am Horstberg in Bewegung. In raschem Sturm drangen die Panzer bis an die Brücke vor. Jetzt griff von beiden Seiten Artillerie in den Kampf ein. Wir konnten beobachten, wie im Ort große Rauchwolken aufstiegen. Wir waren nicht in der Lage, im einzelnen jeden Brand genau zu identifizieren, sahen wir aber wie unsere Haferscheune in Flammen aufging.

Zu gleicher Zeit brannte die neue Kornscheune im Wald. Die am Waldrand aufgefahrenen zwölf Panzer feuerten unaufhaltsam. Unter dem Druck dieses mörderischen Feuers wurde unser Gehöft von den deutschen Soldaten aufgegeben. Darauf entstand eine Kampfpause. Vater hatte sich schon wieder auf den Hof begeben. Er hielt den Augenblick für gekommen, eine weiße Flagge aufzuhängen, um zu bekunden, dass nur noch Zivilisten das Haus bewohnten. Schlagartig setzt nunmehr deutscherseits ein Gegenangriff ein. Er stürzte nach oben, um schnellstens die Flagge wieder einzuziehen. Als im Laufe des Nachmittags der Gegner zum Generalangriff ansetzte, ging unsere unmittelbar an der Straße gelegene Scheune in Flammen auf. Ihr folgte Schöns Haus, der gesamte Deters Hof bis auf den Schweinestall. Ferner wurden die alte Schule, Remmers Viehstall und Scheune, Grothaus Hof bis auf den

Schweinestall und der Hof Hempen ein Opfer der Flammen. Auf dem Kurfürstendamm hatten wir dasselbe Bild. Thobe, Möller, Niemann und Tholen waren abgebrannt. Gerd Kuhlen verlor das alte Haus.

In den entfernteren Ortsteilen brannten auf dem Schlick die Häuser von Franz Lohmann, Heinr. und Wilhelm Schütte, in Thülsfelde Anton Grothaus, August Niehaus und Ww. Büter vollkommen nieder, bei Schumacher war das Stallgebäude samt Inventar und bei Göken ein Viehstall niedergebrannt. In Vorderthüle brannte das Wohnhaus von Gerhard Preut. Bei Gerhard Roter das alte Haus und eine Scheune nebst altem Speicher, bei Anton Cloppenburg eine Scheune und der Viehstall mit einer Anzahl Jungvieh, bei August Elberfeld der Viehstall, bei Hermann Sieger zwei Scheunen und zwei Heuerhäuser.

Während Thüle jene schicksalsschweren Stunden durchmachte, saßen wir im Duvensand in Deckungslöchern. Gegen Mitternacht hörten wir in Richtung Soestenbrücke starken Lärm. Das Schlagen an schweren Eisenträgern ließ einen Brückenbau vermuten. Bereits als gegen Morgen der Tag anfing zu dämmern, konnten wir beobachten, wie Panzer und andere Fahrzeuge unaufhaltsam über die neue Brücke rollten. Von neuem lebte in den Morgenstunden des Sonnabend der Kampflärm auf. Der am Freitag gebildete Brückenkopf wurde erweitert. Um 11 Uhr stand plötzlich die neue Schule in hellen Flammen. Der Kampf wurde nunmehr nach heftiger Artillerievorbereitung in Richtung Friesoythe und Cloppenburg fortgesetzt. Ein deutsches Sturmgeschütz schoss auf dem Kurfürstendamm direkt neben Stuntebeck einen Panzer ab. Nur mit größter Vorsicht und stärkstem Materialeinsatz drangen die fremden Truppen gegen die Hand voll verbissen kämpfenden deutschen Soldaten vor.

wird fortgesetzt