VAREL - „Fassungslos“ und „geschockt“ waren nach eigenen Aussagen Sieglinde Vogel und ihre Schwester, als sie am Sonntag, 10. Mai, am Muttertag, das Grab ihrer am 2. Mai verstorbenen Mutter auf dem Friedhof in Varel aufgesucht haben. Ein große kahle Stelle bot sich ihren Augen, an der sich eigentlich ein großes Gesteck in Herzform, geschmückt mit mehr als 100 dunkelroten Baccara-Rosen, befinden sollte. Unbekannte hatten den Kranz entwendet, die zugehörige Schleife lag in etwa sechs Meter Entfernung auf dem Boden. „Das ist pietätlos“, so Wolfgang Friedrich Vogel, Schwiegersohn der Verstorbenen.
Grabschänder am Werk
„Der erste Gedanke war noch, dass ein Unwetter die Ursache dafür wäre“, sagt Vogel. Doch das Gesteck war nicht aufzufinden, „auch nicht auf einem der anderen Gräber“, wie er weiß. Das Herz war entwendet. „Das waren Grabschänder“, so Vogel. Da die Beerdigung erst am Donnerstag zuvor stattgefunden hatte, kurz vor dem Muttertag, liegt die Vermutung nahe, dass jemand dieses Herz zum Muttertag zum Verschenken mitgenommen hat. Es hatte einen Durchmesser von etwa 70 Zentimetern und war außer mit vielen Rosen auch mit Schleierkraut verziert.
„Als Muttertagspräsent der makabren Art ist es nicht gedacht gewesen. Welche Mutter freut sich über solch ein Präsent?“, fragt sich Vogel. „Manche Leute sind schamlos. Auch zum Muttertag kann die Not nicht so groß sein, dass mit Gefühlen von Angehörigen am Grab rücksichtslos umgegangen wird. Der selbst gepflückte Blumenstrauß bedeutet einer Mutter mehr als ein gestohlenes Blumenherz“, sagt er. „Das ist Frevel.“
Aufmerksamkeit erbeten
Dass Blumen und Pflanzen auf dem Friedhof entwendet werden, „passiert öfters“, weiß Raimund Recksiedler, Küster der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Varel. Auf einem Din-A-Vier-Blatt im Schaukasten am Friedhofseingang „appellieren wir schon an die Friedhofsbesucher, aufmerksam zu sein.“ Denn an der Friedhofsmauer machen Diebe „keinen Halt mehr. „Wir halten die Augen offen“, sagt er. „Es gibt immer mal wieder Leute, die auf dumme Gedanken kommen – und das nimmt in letzter Zeit noch zu“, weiß er.
Bezüglich des Diebstahls des Blumenherzes fehlen aber auch ihm die Worte. „Wir sind geradezu fassungslos – und hilflos.“ Nach dem Diebstahl kann beim anschließenden Verschenken „in dem Gesteck kann kein Segen liegen“, sagt er.
