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Feuerserie Brandanschlag in Varel: Bilderbücher im Löschwasser

Karsten Krogmann Hans Begerow

VAREL - Das bunte Hinweisschild hat nichts abbekommen, aber dahinter ist nichts mehr, worauf es hinweisen könnte: Ein verrußtes Mauergerippe, drei schwarze Schuttberge, Bilderbuchseiten in einer Löschwasserpfütze – mehr ist vom Katholischen Kindergarten St. Bonifatius in Varel nicht übrig geblieben.

„Doch“, sagt Pfarrer Manfred Janßen und steigt über einen verkohlten Staubsauger, „das Feuer konnte nicht alles zerstören.“ Der 59-Jährige zeigt auf den völlig zerstörten Eingang des Kindergartens, „sehen Sie?“ Links an der Wand, wo früher das große Kreuz hing, hat sich ein schwarzes Muster in die Mauer gebrannt: ein neues Kreuz. „Das ist beeindruckend, oder?“, fragt der Pfarrer.

Nächtlicher Einsatz

Um 2.30 Uhr in der Nacht bemerkt eine Polizeistreife ein Feuer im Eingangsbereich des Kindergartens an der Bürgermeister-Heidenreich-Straße. Die Beamten rufen die Feuerwehr, doch es ist bereits zu spät: Das Feuer breitet sich rasend schnell aus, nach wenigen Minuten steht das ganze Gebäude in Flammen. Bis 10.30 Uhr sind die Feuerwehrleute mit Löscharbeiten beschäftigt, retten können sie den Kindergarten aber nicht mehr. „Wir rechnen mit einem Sachschaden in Höhe von einer Million Euro“, sagt Polizeisprecher Klaus-Rüdiger Harms.

Während der Kindergarten an der Bürgermeister-Heidenreich-Straße lichterloh in Flammen steht, meldet der Kindergarten an der Peterstraße einen Einbruch. Die Polizei stellt schnell fest, dass es dort eine versuchte Brandstiftung gegeben hat: Im Büro der Kindergartenleiterin hatten Unbekannte Gegenstände aufgeschichtet und Brandbeschleuniger ausgelegt, im Eingangsbereich wurde Papier angezündet. „Einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen können wir nicht ausschließen“, sagt Polizeisprecher Harms.

Am Nachmittag, als die Brandruine weitgehend abgekühlt ist, beginnt die Tatortgruppe der Polizei mit den Ermittlungen. „Wir haben Spuren gefunden“, gibt Harms knapp zu Protokoll, „vermutlich handelt es sich um Brandbeschleuniger.“ Genaueres sollen jetzt die Laboruntersuchungen zeigen, „aber“, so Harms, „der Verdacht der Brandstiftung ist da“.

Gibt es einen Brandstifter?

Ob die Brandstiftung in den Kindergärten in Zusammenhang steht mit mehreren Carport-, Container- und Mülltonnenbränden rund um Varel in den vergangenen Tagen, ob es vielleicht sogar einen Brandstifter gibt in der Stadt – das sind für Harms derzeit bloße Spekulationen.

Die gedeihen allerdings prächtig; vor der Brandruine treffen sich viele Vareler und fragen: „Wer macht so etwas?“ Andere bieten ihre Hilfe an, wollen Geld oder Spielzeug spenden. Die Kirche hat ein Spendenkonto eingerichtet bei der Darlehenskasse Münster: Kontonummer 288 71 04.

Pfarrer Manfred Janßen verbreitet neben dem schwarzen Kreuz an der Wand derweil Optimismus. „Wir bauen jetzt einen neuen Kindergarten“, kündigt er an. Die 93 Kinder sind bis dahin gut untergebracht: In der Musikschule wird ein Ersatzkindergarten eingerichtet.

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