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NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Beißender Qualm und Ascheregen in Varel

23.05.2018

Varel Beißender Qualm steigt immer wieder in die Luft. Sobald die Bagger, Radlader und Raupen einen Stapel des zu schwarzen Klumpen verformten Altpapiers umgeschichtet haben, spritzt eine große Feuerwehr-Kanone Wasser darauf – und eine neue Wolke steigt nach oben. Herunter kommt in der gesamten Umgebung ein Ascheregen. Wer seine Sitzkissen am Vortag nicht von seinen Terrassenmöbeln genommen hatte, erlebte am Dienstagmorgen eine böse Überraschung.

Erst um 7.28 Uhr meldete der Landkreis per Handy-App „Kat-Warn“ davor. Der Wind pustete die Asche bis ins 22 Kilometer entfernte Horsten im Nachbarkreis Wittmund. „Hier ist alles weiß. Sitzpolster und Autos sind total verdreckt“, meldete sich von dort Frank Gerdes bei der NWZ.

Seit dem Alarm am Montagnachmittag ist die Feuerwehr auf dem Gelände der Papier- und Kartonfabrik Varel (PKV) ununterbrochen im Einsatz. Das Gefährlichste sind die Glutnester in den kompakt zusammengepressten Ballen. Sie stehen zu Tausenden auf dem weiträumigen Gelände an der Hellmut-Barthel-Straße.

Mit schwerem Gerät rücken Feuerwehr und Technisches Hilfswerk (THW) dem immer noch brennenden Altpapier auf dem Gelände der Papier- und Kartonfabrik zu Leibe. Insgesamt 7000 Tonnen – 3000 Tonnen mehr, als angenommen. Am Dienstag rechnete die Geschäftsführung noch einmal nach.

Atemschutz im Bagger

Noch in der Nacht wurde das schwere Bergungsgerät angeliefert. Die Fahrer sitzen in hermetisch abgeschlossenen Kabinen, geschützt vor dem Rauch und der Asche. Sie arbeiten unter Atemschutz.

Nach Angaben der PKV gehe von der Rauchentwicklung und dem Ascheflug „im Umfeld des Fabrikgeländes oder weit außerhalb keine Gefährdung aus“. Das sei das Ergebnis der Beurteilung von Sachverständigen in Zusammenarbeit mit den entsprechenden Behörden, hieß es am Dienstag in einer Mitteilung. Dennoch rät die PKV den Anwohnern, Fenster und Türen geschlossen zu halten, bis das Feuer vollständig gelöscht sei.

Mitarbeiter des Staatlichen Gewerbeaufsichtsamtes in Oldenburg waren auch am Dienstag zur Brandstelle gekommen. Die Gewerbeaufsicht sei hinsichtlich des Arbeitsschutzes und der Abfallentsorgung zuständig, erläuterte Behördenleiter Uwe Rottmann. Das Gewerbeaufsichtsamt müsse wissen, „was passiert mit dem Löschwasser und mit den Resten“.

Durch eine Vorrichtung ist das Löschwasser aufgefangen worden, das bei dem Brandeinsatz angefallen ist. Die Kapazität, die das Unternehmen dafür zur Verfügung hat, sei aber bei weitem nicht ausgeschöpft worden, erläuterte Rottmann. Nun gehe es darum, wie das Löschwasser und die Reste des verbrannten Papiers entsorgt wird.

Dafür suchen die Verantwortlichen bereits eine Lösung. „Wir sind in Gesprächen mit Entsorgungsunternehmen“, sagte PKV-Geschäftsführer Ulrich Lange. Das gelöschte Altpapier wird nun zunächst in Containern gelagert, abgedeckt und soll dann zur Müllverbrennung gebracht werden. Welche Anlage den Sondermüll aufnimmt, sei noch unklar, so Ulrich Lange.

Der Einsatz in Varel wird die Feuerwehr wohl noch Tage beschäftigen. Im Einsatz sind neben den Ortswehren aus Varel, Borgstede-Winkelsheide und Obenstrohe auch die Kameraden aus Bockhorn und Zetel, Hohenkirchen, Jaderberg sowie die Experten aus der Feuerwehrtechnischen Zentrale in Jever. Mit speziellen Löschgeräten rückten zudem Werksfeuerwehren aus Nordenham und Emden sowie Spezialisten mit einer Schaumkanone aus Friesoythe an.

Kühlwasser angezapft

Sie spritzen nun unablässig Wasser auf die glimmenden Ballen. Im Einsatz seien dabei vier Wasserwerfer, so Volker Sermond: „Diese haben eine Leistung von 2000 bis 4000 Liter pro Minute.“ Insgesamt ist die Wasserversorgung bei der PKV sichergestellt. Nach Angaben des Vareler Stadtbrandmeisters bedient sich die Feuerwehr an der Vielzahl an Brunnen, die auf dem Gelände des Unternehmens zu Brandschutzzwecken gebaut worden waren. Zusätzlich werde das Kühlwasser aus dem Werkprozess entnommen, ebenso wie aus der benachbarten Leke. Darüber hinaus werden die öffentlichen Hydranten angezapft.

Bei der größten Ausdehnung des Brandes am Montagabend rückte die Feuerwehr den Flammen mit insgesamt maximal 15 000 Litern Wasser pro Minute entgegen. Am Dienstagmorgen reduzierten die Kameraden diese Leistung auf 8000 Liter pro Minute.

Am Dienstagmittag rückte dann Ersatz der Kreisfeuerwehrbereitschaft Ammerland an, um die seit vielen Stunden im Einsatz befindlichen und erschöpften Kameraden aus Varel und Umgebung abzulösen. „Das gibt uns im Stadtgebiet wieder etwas Entlastung“, sagte Volker Sermond. Insgesamt waren in der Nacht 200 Feuerwehrleute im Einsatz – bis an den Rand der Erschöpfung. Dienstagmorgen waren es immerhin noch 80.

Viele von ihnen haben nur kurz geschlafen. „Ich war drei Stunden zu Hause“, sagte Volker Sermond. An Erholung war aber kaum zu denken. Zu aufgewühlt sei man nach so einem anstrengenden Einsatz. „Ich habe nur eine Stunde geschlafen“, sagte ein anderer Feuerwehrmann. Er war am Pfingstmontag von einer Grillfeier direkt zum Einsatz gefahren. Dann bemerkte er: Er hatte den Hausschlüssel seiner Frau mitgenommen. So musste er von der Einsatzstelle noch organisieren, dass sie diesen wieder zurückbekommt. „Das sind dann die Tücken, die man nicht voraussieht und die einen zusätzlich belasten“, sagte er.

Literweise Trinkwasser

Nun steht er schon wieder in seiner vollen Feuerwehrmontur, über 20 Kilogramm schwer, und müht sich bei sommerlichen Temperaturen von 25 Grad und gefühlten 1000 Grad am Brandherd ab. Der Schweiß läuft dabei in Strömen. „Ausreichend Trinken ist das Wichtigste“ sagt Volker Sermond. Wasser brauchen auch die Kameraden literweise.

Verpflegt werden die Feuerwehrleute vor Ort. Zunächst durch einen privaten Anbieter, dessen Mitarbeiter noch in der Nacht 400 Brote schmierten und zum Einsatzort lieferten, später durch das Ordnungsamt der Stadt Varel. Seit Dienstagmittag sorgt die PKV für Essen und Trinken. In einem abgelegenen Teil des Geländes steht ein Imbiss-Wagen, der die erschöpften Männer und Frauen rund um die Uhr kostenlos bewirtet.

Olaf Ulbrich Redaktionsleitung Varel / Redaktion Friesland
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