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Brand Auf Luxusyacht Ausgebrochen Feuer in Lürssen-Werft offenbar unter Kontrolle

Markus Minten
Markus Minten Jörg Jung Helen Hoffmann

Vegesack/Lemwerder - Nach eineinhalb Tagen Kampf gegen die Flammen auf dem Gelände einer Bremer Werft haben die Feuerwehrleute den Großbrand am Samstag unter Kontrolle gebracht. „Laut Einsatzleitung ist eine weitere Ausbreitung damit ausgeschlossen“, sagte der Sprecher der Lürssen-Werft, Oliver Grün. Die Bekämpfung vereinzelter Brandstellen auf dem Schiff werde voraussichtlich bis Sonntagvormittag andauern. Am späten Samstagnachmittag waren noch bis zu 180 Einsatzkräfte aus Bremen und den umliegenden Landkreisen im Einsatz. Die Zahl werde schrittweise reduziert. „Über die Schadensursache sowie über die Schadenshöhe können wir bislang keine Angaben machen“, sagte Grün.

Der Brand war am frühen Freitagmorgen gegen 2 Uhr in einem Schwimmdock und an einer darin liegenden Jacht ausgebrochen. Bei dem Neubau handelte es sich nach Informationen des „Weser-Kuriers“ um eine 146 Meter lange Millionen-Jacht namens „Sassi“, die 2020 fertig gestellt werden sollte. Die Werft machte dazu keine Angaben.

Bis Samstag hatten insgesamt rund 750 Einsatzkräfte aus verschiedenen Städten und Landkreisen in wechselnden Schichten versucht, das Feuer unter Kontrolle zu bringen, wie Feuerwehrsprecher Andreas Desczka berichtete. Vier Menschen wurden bei dem Einsatz leicht verletzt. Drei von ihnen wurden zur Behandlung in Krankenhäuser transportiert, wie der Sprecher sagte.

Neben Feuerwehrleuten waren auch Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks am Ort. „So ein Feuer in dieser Ausdehnung ist für die Feuerwehr in Bremen ein ganz besonderer Einsatz“, sagte Desczka. „Es ist definitiv der größte dieses Jahres. Vielleicht ist es sogar einer der größten Einsätze der vergangenen Jahrzehnte.“

Das Feuer in der Jacht hatte die Einsatzkräfte vor große Herausforderungen gestellt. Neben vielen brennbaren Materialien waren die kleinen, bei einem Brand schwer erreichbaren Räume ein Problem, wie Desczka erklärte. Außerdem sei das Schiff aus Metall - das habe eine hohe Wärmeleitfähigkeit. Rauch und Hitze hatten die Arbeiten enorm erschwert. Ihm zufolge sind Schiffsbrände grundsätzlich schwieriger zu löschen als Hausbrände. „Ein Gebäude ist übersichtlich, so ein Schiff hat begrenzte Zugänge. Es ist ein immenser logistischer Aufwand.“

Bei den Löscharbeiten war auch ein Spezialgerät der Feuerwehr Brunsbüttel im Einsatz. Damit können durch einen Wasserstrahl unter Hochdruck Löcher in die Stahlwand des Schiffes geschnitten werden. Über die Löcher kann dann der Brand bekämpft werden.

Bis weit ins Oldenburger Land hinein war am Freitagvormittag die braune Qualmwolke über dem Schwimmdock der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack zu sehen. Im Ort selbst macht beißender Rauch das Atmen am Morgen schwer. Den Rat der Feuerwehr, Fenster und Türen geschlossen zu halten, befolgt trotzdem längst nicht jeder Anwohner. Zu interessant ist offenbar das, was sich direkt nebenan im Gewerbegebiet abspielt.

Gegen 2 Uhr in der Nacht hatte dort der Sicherheitsdienst Alarm geschlagen und die Feuerwehrleitstelle darüber informiert, dass in dem 210 Meter langen und 45 Meter breiten Baudock an Bord einer im Bau befindlichen Luxusyacht ein Feuer ausgebrochen ist. Obwohl die ersten Einsatzkräfte bereits nach wenigen Minuten vor Ort sind, ist das Feuer zu diesem Zeitpunkt schon außer Kontrolle. Bereits wenig später schlagen die Flammen aus dem Dach der riesigen Halle. Obwohl im Laufe des Tages insgesamt 200 Feuerwehrleute eingesetzt werden, ist es der Wehr auch am späten Nachmittag noch nicht gelungen, den Brand unter Kontrolle zu bringen.

Hilfe aus dem Umkreis

Auch von der westlichen Weserseite sind zahlreiche Wehren zur Unterstützung angefordert worden. Vor allem Atemschutzgeräteträger werden benötigt. Unter Atemschutz kann immer nur eine begrenzte Zeit gearbeitet werden, dann müssen die Trupps ausgetauscht werden. Mit der Fähre Lemwerder-Vegesack setzen nach und nach Ortswehren aus den Gemeinden Lemwerder, Berne, Ganderkesee und Hude in ihren Fahrzeugen über die Weser.

Gegen 15 Uhr sind die Einsatzkräfte immerhin bis ins Innere der fast 150 Meter langen Luxusyacht vorgedrungen, wo sich der Brand auf drei Decks ausgedehnt hat. „Es ist eng, dunkel und heiß“, beschreibt Desczka die schwierigen Einsatzbedingungen im Inneren des Bootes. Derweil untersucht ein Statiker den Zustand der rußgeschwärzten Halle. Vorläufiges Ergebnis: Trotz der erheblichen Schäden am größten Baudock des Unternehmens ist das Bauwerk nicht einsturzgefährdet. Auch die Experten der Kriminalpolizei sind zu diesem Zeitpunkt bereits vor Ort, um nach Hinweisen auf die Brandursache zu suchen.

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Nach Information von Desczka wurde zum Zeitpunkt des Feueralarms an dem Schiff gearbeitet. Zu der Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen den nächtlichen Arbeiten und dem Brand gibt, will sich jedoch noch niemand äußern.

Am Lemwerderaner Weserufer geht derweil am Freitagvormittag alles seinen gewohnten Gang: Radler genießen ihre Tour im Sonnenschein, Spaziergänger führen ihre Hunde aus. Ihre Blicke gehen alle in dieselbe Richtung – auf die andere Weserseite. Und diesmal gelten sie nicht der nagelneuen 136-Meter-Yacht mit der Projektbezeichnung „Shu“, die unmittelbar neben dem Baudock festgemacht hat. Ihr Blick gilt dem Rauch, der aus dem Dach quillt. Zwar ist der deutlich zu sehen, Brandgeruch liegt am westlichen Weserufer allerdings keiner in der Luft, dem Südwestwind sei Dank. Und so müssen – anders als in Bremen-Nord – auch Fenster und Türen nicht geschlossen werden.

Spekulationen

Hie und da finden sich ein paar Bekannte zu einem kurzen Schnack am Deich zusammen. Ihr Thema ist klar: Der Brand auf Bremer Seite – samt Spekulationen über die Luxus-Yacht im Baudock und die Brandursache. Gesicherte Informationen hat hier keiner. Es kursieren aber Gerüchte, dass im Inneren des Docks der 146-Meter-Neubau mit Namen „Sassi“ liegt. Die sollte 2020 an ihren geheim gehaltenen Eigner übergeben werden.

Im Lürssen-Standort Lemwerder läuft der Werftbetrieb derweil weiter. Von Angestellten, die das Werksgelände verlassen, hörte man stets knapp dasselbe: „Kein Kommentar.“ Verschwiegenheit gehört bei einem Hersteller von Luxus-Yachten eben zum Geschäftsmodell.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)
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