• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Panorama Blaulicht

Blutrache-Prozess In Verden: 23-Jähriger zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt

29.03.2018

Verden In 20 Verhandlungstagen sagte der Angeklagte kein Wort. Dabei wog der Vorwurf gegen den 23 Jahre alten Albaner schwer: Mord aus Rache. Das Landgericht Verden verurteilte ihn am Mittwoch deshalb zu einer lebenslangen Haftstrafe. Nach einem monatelangen Indizienprozess bleibt aber die Frage unbeantwortet: Wer gab am 9. Januar 2017 in der niedersächsischen Kleinstadt Visselhövede die tödlichen Schüsse auf den 46 Jahren alten Albaner ab?

Der 23 Jahre Angeklagte war aus fester Überzeugung des Gerichtes der Fahrer des Motorrades, von dem aus der Sozius damals auf sein Opfer schoss. Von den zwölf Schüssen schlugen zwei Projektile im Fensterrahmen eines Lehrerzimmers einer direkt gegenüberliegenden Grundschule ein. Verletzt wurde dabei niemand. Aber die Tat sorgte bundesweit für viel Aufsehen.

„Als Fahrer ist der Angeklagte Mittäter und nicht bloßer Gehilfe. Täter sind sowohl der Angeklagte als Fahrer als auch der Schütze“, begründete Richter Volker Stronczyk die Verurteilung wegen Mordes. Es gebe keine vernünftigen Zweifel daran, dass der 23-Jährige die Tat begangen habe. Allerdings sei das Motiv der Blutrache auf der Grundlage eines Ehrenkodexes nie angenommen worden. Aber auch das Motiv der Rache falle unter das Mordmerkmal der niedrigen Beweggründe und stehe auf sittlich unterster Stufe.

Die mutmaßliche Blutrache spielte in dem Prozess dennoch eine wichtige Rolle. Der Hintergrund der Tat ist in Albanien zu suchen, wo das Mordopfer von Visselhövede 2011 einen Cousin des Angeklagten vor einer Diskothek in Tirana tötete. Dafür war er in seiner Heimat zu sechs Jahren und acht Monaten verurteilt worden, die er zum Großteil absaß, danach aber aus Furcht vor Blutrache mit seiner Familie nach Deutschland floh, wo er erschossen wurde. Das Gericht geht von mindestens drei Tätern aus.

Mit seinem Urteil folgte die Kammer dem Antrag von Staatsanwältin Annette Marquardt, die in ihrem Plädoyer vor einer Woche keinen Zweifel daran ließ, wie sie die Bluttat wertet: „Das war eine brutale, kaltblütige, abgrundtief tückische, öffentliche Hinrichtung.“ Sie sah in dem Angeklagten eine zentrale Figur bei der Planung und der Ausführung der Tat. Marquardt hatte auch die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Dem folgte das Gericht aber nicht.

Die beiden Verteidiger des 23-Jährigen, Antje Heister und Marcin Raminski, sahen dagegen keine Anhaltspunkte, die ihren Mandanten mit einem Mord oder Totschlag in Verbindung bringen könnten. „Blutrache kann nicht nachgewiesen werden“, so Heister. Es sei auch nicht bewiesen, dass der Albaner das Motorrad gesteuert habe, auch wenn er das Fahrzeug gekauft habe. Ein zweiter Angeklagter hatte im Dezember freigesprochen werden müssen, weil es keine objektiven Beweise gegeben habe, so der Richter.

Der 23-Jährige wurde während der Prozesstage mit Hand- und Fußfesseln in den Gerichtssaal geführt und nahm das von einem Dolmetscher übersetzte Urteil regungslos, aber mit tief gebeugtem Kopf auf. Gegen das Urteil ist das Rechtsmittel der Revision möglich. Obwohl es nun mehr als ein Jahr nach der Bluttat ein Urteil gibt, wies Anwalt Raminski auf einen für den Fall völlig unbefriedigenden Umstand hin. Die Mittäter und auch der Schütze sind unbekannt und auf freiem Fuß. Raminski: „Die Tat bleibt im Wesentlichen unaufgeklärt.“

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.